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Schon diese Woche: China will offenbar dritten Flugzeugträger vom Stapel lassen – und provoziert Taiwan

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Von: Sven Hauberg

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Der chinesische Flugzeugträger Liaoning.
Chinas Flugzeugträger „Liaoning“ (Bild) und „Shandong“ sollen Verstärkung bekommen. © Hu Shanmin/Xinhua/Imago

Es soll sich „um den größten Flugzeugträger handeln, der jemals außerhalb der USA gebaut wurde“: China könnte bereits diese Woche „Typ 003“ vom Stapel lassen.

München/Shanghai – Anfang des Jahres kündigte China an, trotz eines niedrigen Wirtschaftswachstums die Ausgaben für die Rüstung kräftig erhöhen zu wollen. Wohin all die Milliarden fließen, lässt sich derzeit in der Jiangnan-Werft in Shanghai begutachten – beziehungsweise auf Satellitenbildern davon. Darauf zu sehen ist der dritte chinesische Flugzeugträger, der derzeit unter der vorläufigen Bezeichnung „Typ 003“ firmiert. Wie die in Hongkong erscheinende South China Morning Post nun berichtet, könnte das Schiff bereits in dieser Woche vom Stapel gelassen werden. Laut einer Militärquelle, so die Zeitung, solle es an diesem Freitag so weit sein.

„Die jüngsten Satellitenbilder zeigen, dass ‚Typ 003‘ durch ein riesiges Schiffssegment blockiert wurde, damit vorbeifahrende Handelsschiffe den Baufortschritt nicht sehen können“, sagte Lu Li-shih, ein ehemaliger Dozent an der taiwanesischen Marineakademie, der Post. „Dieses Segment muss entfernt werden, damit sie den ‚Typ 003‘ zu Wasser lassen können.“ Der Stapellauf, so Lu weiter, bedeute, dass die Arbeiten im Trockendock abgeschlossen seien. Anschließend könnten Tests durchgeführt und Ausrüstung installiert werden. Bevor der Flugzeugträger vollständig einsatzfähig sei, so ein weiterer Militärexperte, könnten allerdings noch mehrere Jahre vergehen.

Satellitenaufnahmen zeigen den neuen chinesischen Flugzeugträger in einer Werft in Shanghai.
Satellitenaufnahmen zeigen den neuen chinesischen Flugzeugträger in einer Werft in Shanghai. © Screenshot Google Earth

China besitzt bereits zwei Flugzeugträger. Die „Liaoning“, ein Schiff aus sowjetischer Produktion, wurde nach umfangreichen Umbauarbeiten 2012 in Dienst gestellt; die „Shandong“, die 2019 in Dienst gestellt wurde, wurde vollständig in China gebaut, basiert aber in Teilen auf der „Liaoning“. Mit den Flugzeugträgern will China seine Fähigkeiten ausbauen, auch weit entfernt von den eigenen Küsten Militäreinsätze durchzuführen. Zudem gelten die Schiffe als Aushängeschild der militärischen Macht des Landes und sollen somit auch der Abschreckung dienen. Möglich sind aber auch humanitäre Einsätze, etwa im Falle von Naturkatastrophen.

China: Neuer Flugzeugträger „steht für die maritimen Ambitionen“

Viele Details zu Chinas neuem Flugzeugträger sind nicht bekannt, auch ein endgültiger Name wurde bislang nicht kommuniziert. Der Analyst Robert Farley sagte allerdings bereits 2019, bei dem Schiff werde es sich „um den größten Flugzeugträger handeln, der jemals außerhalb der Vereinigten Staaten gebaut wurde“. In einem Beitrag für The Diplomat schrieb der Militärexperte: „Dieses Schiff steht für die maritimen Ambitionen Chinas und sagt viel darüber aus, wie wichtig der maritime Bereich für Peking ist. Der Bau scheint eindeutig zu zeigen, dass China eine Seestreitkraft mit großer Reichweite und der Fähigkeit zur Expeditions- und Hochintensitätskriegsführung anstrebt.“

Während Flugzeuge auf Chinas ersten beiden Flugzeugträgern noch über eine Art Rampe starten, soll dies auf dem neuen Schiff mittels eines Katapults passieren, das mit elektromagnetischen Impulsen arbeitet. Dadurch sollen auch größere und schwerere Flugzeuge eingesetzt werden können. Ähnliche Katapultsysteme arbeiten meist mit Wasserdampf. Sollte „Typ 003“ tatsächlich mit der fortschrittlicheren Technik ausgerüstet sein, wäre dies Analysten zufolge ein Zeichen dafür, dass Chinas Militär massive Fortschritte gemacht hat und in diesem Bereich in einer Liga mit den USA spiele. Über einen Atomantrieb verfügt „Typ 003“, anders als etwa die US-Schiffe der Gerald-R.-Ford-Klasse, aber offenbar nicht.

China: Stapellauf von neuem Flugzeuträger wegen Corona verschoben

Der angebliche Stapellauf des neuen Flugzeugträgers am Freitag würde mit dem chinesischen Drachenbootfest zusammenfallen, einem der wichtigsten Feiertage in China. Angeblich sollte das Schiff bereits am 23. April zu Wasser gelassen werden, zeitgleich mit dem 73. Jahrestag der Gründung der Marine der Volksbefreiungsarmee. Aufgrund der Corona-Pandemie, so Medienberichte, wurde daraus allerdings nichts.

Der neue Flugzeugträger wird in einer Zeit wachsender Spannungen in der Region vom Stapel gelassen. Chinas Außenminister Wang Yi befindet sich derzeit auf einer Reise durch den Südpazifik, um neue Bündnisse zu schließen – bislang allerdings mit gemischtem Erfolg. Vor allem die USA und Australien beäugen Pekings Ambitionen in der Region kritisch. Zuletzt sorgte ein Sicherheitsabkommen, das China und die Salomonen geschlossen hatten, für Aufregung.

China: Provokationen in Richtung Taiwan

Auch die Spannungen in der Taiwan-Straße nehmen zu. China betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als abtrünnige Provinz und droht mit der militärischen Eroberung. Mitte März durchfuhr Chinas Flugzeugträger „Shandong“ die Meerenge zwischen der Volksrepublik und dem Inselstaat, was Beobachter als Signal an die Regierung in Taipeh werteten. Peking hingegen sprach von einer routinemäßigen Trainingsmission.

Am Montag drangen chinesische Flugzeuge in den Verteidigungsluftraum des Landes ein, wie das Verteidigungsministerium in Taipeh mitteilte. 30 Maschinen, darunter mehr als 20 Kampfjets, seien an der Aktion beteiligt gewesen. Zuletzt waren Ende Januar 39 Flugzeuge in Taiwans Verteidigungsluftraum eingedrungen.

Bei einer möglichen Invasion Taiwans, so Rüstungsexperten, könnten Flugzeugträger eine entscheidende Rolle spielen. US-Präsident Joe Biden hatte kürzlich am Rande seiner Reise nach Südkorea und Japan gesagt, sein Land sei zur Verteidigung Taiwans verpflichtet. Anschließend hatte das Weiße Haus Bides Äußerung allerdings relativiert und erklärt, die USA unterstützten weiterhin die Ein-China-Politik. Demnach erkennt Washington die Regierung in Taiwan nicht an, unterstützt diese aber mit Waffenlieferungen.

China: Vierter Flugzeugträger ist angeblich in Arbeit

In einer Grundsatzrede zur China-Politik seiner Regierung hatte US-Außenminister Antony Blinken Peking Ende vergangener Woche vorgeworfen, zunehmend Druck auf Taiwan auszuüben. „Peking hat eine zunehmend provokative Rhetorik und Aktivität an den Tag gelegt, indem es fast täglich Flugzeuge der Volksbefreiungsarmee in der Nähe von Taiwan fliegen lässt“, so Blinken. „Diese Worte und Handlungen sind zutiefst destabilisierend; sie bergen die Gefahr einer Fehlkalkulation und bedrohen den Frieden und die Stabilität in der Straße von Taiwan.“

Derweil arbeitet China Berichten zufolge bereits an einem vierten Flugzeugträger. Im Februar 2018 hatte die staatliche „China State Shipbuilding Corporation“ erklärt, man habe mit der Entwicklung eines Flugzeugträgers mit Nuklearantrieb begonnen, der der chinesischen Marine helfen soll, „bis 2025 ihre strategische Transformation und Kampfbereitschaft in tiefen Gewässern und auf offenen Ozeanen zu realisieren“. (sh)

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