1. BuzzFeed
  2. Politik

G20-Gipfel auf Bali: Lawrow sieht „enormes Potenzial“ und will Zusammenarbeit mit China ausbauen

Erstellt:

Von: Sven Hauberg

Kommentare

In Bali trafen die Außenminister Russlands und Chinas, Sergej Lawrow (links) und Wang Yi, zu Gesprächen zusammen.
In Bali trafen die Außenminister Russlands und Chinas, Sergej Lawrow (links) und Wang Yi, zu Gesprächen zusammen. © Russian Foreign Ministry/Imago

In Bali sind die Außenminister Chinas und Russlands zusammengekommen. Einmal mehr zeigte sich, dass sie im Ukraine-Krieg einen ähnlichen Kurs verfolgen.

München/Denpasar – Am Rande des Treffens der Außenminister der G20-Staatengruppe auf Bali haben der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein chinesischer Amtskollege Wang Yi die Sanktionen des Westens gegen Russland als „unrechtmäßig“ abgelehnt. Das teilte das Außenministerium in Moskau mit. Lawrow hob bei seinem Treffen mit Wang die „besondere Bedeutung der konstruktiven strategischen Beziehungen Chinas und Russlands für die Gestaltung einer gerechteren und demokratischeren Weltordnung“ hervor. Außerdem warf er dem Westen eine „unverhohlen aggressive Linie“ vor und sagte, Russland und China wollten „den Umfang und die Reichweite der praktischen Zusammenarbeit weiter ausbauen“. Die Beziehungen beider Länder, so Lawrow, „bergen ein enormes Potenzial“.

China äußerste sich zunächst nicht zum Inhalt des Gesprächs zwischen Wang und Lawrow. Das Außenministerium in Peking teilte allerdings mit, Wang habe im Gespräch mit Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar vor einem „neuen Kalten Krieg“ gewarnt. Wang wies außerdem jeden Versuch zurück, den Ukraine-Konflikt mit der Taiwan-Frage zu vergleichen“. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und droht mit der militärischen Eroberung des demokratisch regierten Inselstaats. „Einige Länder betonen den Grundsatz der Souveränität in der Ukraine-Frage, stellen aber Chinas Souveränität und das Ein-China-Prinzip in der Taiwan-Frage immer wieder infrage und schüren sogar absichtlich Spannungen in der Straße von Taiwan, was eine offensichtliche Doppelmoral darstellt“, so Wang.

China und Russland feiern im Ukraine-Krieg „beste Beziehungen in der ganzen Geschichte seit ihrem Bestehen“

Wang Yi und Lawrow waren zuletzt Ende März persönlich zusammengetroffen. Lawrow war damals in die Stadt Tunxi in der südostchinesischen Provinz Anhui gereist, um mit Wang sowie Vertretern anderer Länder der Region über die Lage in Afghanistan seit der Wiedereroberung des Landes durch die Taliban zu sprechen. Lawrow, der von Wang als „alter Freund“ begrüßt worden war, hatte zuvor von „den besten Beziehungen zu China in der ganzen Geschichte seit ihrem Bestehen“ gesprochen; in einer gemeinsamen Erklärung zum Abschluss ihrer Gespräche vereinbarten die Außenminister der beiden Länder den Ausbau ihrer „strategischen Partnerschaft“ in einer „schwierigen internationalen Situation“, wie das Außenministerium in Moskau mitteilte. Zudem wollten sie sich außenpolitisch enger abstimmen und in internationalen Angelegenheiten mit einer gemeinsamen Position auftreten. Auch in einer Videobotschaft Anfang Juni bekräftige Wang die Freundschaft seines Landes zu Russland.

Zudem sprachen Mitte Juni der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping und der russische Präsident Putin miteinander. Bei dem Telefonat, das an Xis 69. Geburtstag stattfand, sicherte Xi laut Angaben des chinesischen Außenministeriums Russland seine Unterstützung zu. „China ist bereit, die russische Seite in Fragen, die mit Kerninteressen und wichtigen Anliegen wie Souveränität und Sicherheit zusammenhängen, weiterhin zu unterstützen und die strategische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu intensivieren“, sagte Xi. Weiter sei Peking „bereit, mit der russischen Seite zusammenzuarbeiten, um die bilaterale praktische Zusammenarbeit zu fördern“.

Es war das zweite Gespräch der beiden Staatsoberhäupter seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine. Xi und Putin hatten sich zuletzt Anfang Februar persönlich in Peking getroffen und sich dabei in einer gemeinsamen Stellungnahme gegen eine Nato-Osterweiterung ausgesprochen. Ob Xi damals bereits von den russischen Angriffsplänen wusste, ist nicht bekannt. Offiziell behauptet China, sich im Ukraine-Krieg neutral zu verhalten.

G20: Chinas Außenminister Wang Yi trifft am Freitag auf seinen US-Amtskollegen Blinken

Bei dem G20-Treffen aus Bali werden am Freitag voraussichtlich Wang Yi und der US-Außenminister Antony Blinken zusammentreffen. Dabei sollen Taiwan, Xinjiang sowie der Handelsstreit zwischen beiden Ländern auf der Tagesordnung stehen. Eine bilaterale Begegnung mit Lawrow hatte Blinken bereits ausgeschlossen. Auch die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock reist nach Bali, um an den Beratungen teilzunehmen. Von EU-Seite nimmt Chefdiplomat Josep Borrell an dem Gipfel teil; laut chinesischem Außenministerium sprach Borrell am Dienstag auch mit Wang Yi. Details dazu wurden zunächst nicht bekannt.

Mitte November werden sich auf der zu Indonesien gehörenden Insel die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder treffen. Russlands Präsident Putin hatte bereits seine Teilnahme angekündigt. Ob Putin auch persönlich nach Bali reisen wird, ist allerdings offen. Mehrere Staaten haben für diesen Fall ihre Teilnahme bereits infrage gestellt. Auf dem G7-Gipfel im bayerischen Elmau hatte der indonesische Präsident Joko Widodo, der als Gast geladen war, eine persönliche Teilnahme Putins nach Angaben des italienischen Regierungschefs Mario Draghi „kategorisch“ ausgeschlossen. Der weltgrößte Inselstaat Indonesien hat in diesem Jahr den G20-Vorsitz inne. (sh)

Auch interessant

Kommentare