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Russland plant angeblich Lukaschenko-Sturz – Außenminister stirbt „plötzlich“

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Von: Andreas Apetz

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Der belarussische Außenminister ist verstorben. Nun kommt die Vermutung auf, es könnte sich um ein russisches Attentat gehandelt haben.

Moskau – Der belarussische Außenminister Wladimir Makej ist im Alter von 64 überraschend gestorben. Die staatliche Nachrichtenagentur Belta verkündete am Samstag (26. November) den „plötzlichen Tod“ des Politikers. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt. Informationen über eine Erkrankung gibt es bislang nicht.

Russland sprach umgehend sein Beileid aus: „Wir sind erschüttert von den Meldungen über den Tod des Außenministers von Belarus“, so Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums. Für viele ist die russische Beileidsbekundung nicht sonderlich glaubwürdig. Die vielen offenen Fragen lassen Spielraum für Spekulation und bestärken den Verdacht, dass hinter Makejs Ableben mehr als nur ein „plötzlicher Tod“ steckt.

Nach Tod des belarussischen Außenministers: Plant Russland den Sturz von Lukaschenko?

Erste Stimmen vermuten keinen natürlichen Tod des belarussischen Außenministers, sondern ein politisch motiviertes Attentat. Laut Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, gebe es bereits Gerüchte über die Vergiftung des Politikers aus Belarus. Wladimir Makej galt als möglicher Nachfolger für den amtierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko.

Makej stand nicht unter russischer Kontrolle – und das könnte ihm nach Meinung von Gerashchenko zum Verhängnis geworden sein. Auf Twitter bezeichnete Gerashenko den mutmaßlichen Mord an Makej als „Fingerzeig“ auf Lukaschenko. Dieser hatte in der jüngsten Vergangenheit ein aktives Eingreifen in den Ukraine-Krieg als „schweres innenpolitisches Risiko“ abgelehnt.

Bereits vor dem Tod von Makej hatte die US-Denkfabrik Robert Institute for Global Threats über den russischen Plan berichtet. Dort berief man sich auf Quellen aus dem Kreis der russischen Militärführung und sprach von einem Bruch im Verhältnis zwischen Russland und Belarus. Präsident Wladimir Putin habe genug von Lukaschenko und wolle das Land nun zum Kriegsbeitritt zwingen. Die Rede ist von einem Attentat oder ähnlichen Einschüchterungsversuchen durch den russischen Militärgeheimdienst, um Lukaschenkos Haltung zu einem möglichen Einstieg in das Kriegsgeschehen zu ändern.

Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, spricht auf einem Militärflugplatz zu belarussische Soldaten
Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, spricht auf einem Militärflugplatz zu belarussische Soldaten. (Archivfoto) © XinHua/dpa

Außenminister von Belarus: Makej plädierte lange für Öffnung zum Westen

Ob Lukaschenko nun wirklich die Zielscheibe des russischen Geheimdienstes ist, ist reine Spekulation. Schließlich bekannt sich Lukaschenko stets als enger Verbündeter Russlands und ließ russische Streitmächte von belarussischem Territorium aus im Ukraine-Krieg operieren.

Obwohl Makej zu den engen Vertrauten von Lukaschenko gehörte, zeigte sich der Außenminister bislang weniger kooperativ mit Russland. Anfang des Jahres hatte er Befürchtungen zurückgewiesen, dass Russland von Belarus aus Soldaten in die Ukraine entsenden könnte. Er erklärte im Februar, „kein einziger“ russischer Soldat werde nach gemeinsamen Manövern mit Russland an der Grenze zur Ukraine in Belarus bleiben – wenige Wochen vor Beginn der russischen Offensive.

Zudem hatte sich Makej für die Verbesserung der Beziehung seines Landes zum Westen eingesetzt und den Verbündeten Russland kritisiert. Nach Massenprotesten der Bevölkerungen gegen die Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 rückte schließlich er von seiner Meinung ab und bezeichnete die Aufstände als Kampagne westlicher Agenten. (aa mit dpa/AFP)

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