1. BuzzFeed
  2. Politik

Russische Journalistin zum zweiten Mal verurteilt - wegen „Diskreditierung“ von Putins Armee

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Giebel

Kommentare

Marina Owsjannikowa hat es wieder getan. Kurz nacheinander wird die russische TV-Journalistin wegen ihrer Kritik am Ukraine-Krieg zu zwei Geldstrafen verurteilt.

Update vom 8. August, 19.05 Uhr: Marina Owsjannikowa ist ein weiteres Mal zur Kasse gebeten worden. Wie die russische TV-Journalistin im Onlinedienst Telegram verbreitete, habe sie ein Moskauer Gericht zu einer Geldstrafe von 40.000 Rubel (knapp 634 Euro) verurteilt, weil sie die russische Armee „diskreditiert“ habe. Ihr Anwalt Dmitri Sachwatow ergänzte, das Urteil beziehe sich auf eine Botschaft der Journalistin auf der Onlineplattform Facebook.

Bislang haben die russischen Behörden aber keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen die zweifache Mutter eingeleitet. Dies könne sich aber noch ändern, erklärte Owsjannikowas Anwalt der Nachrichtenagentur AFP. Strafrechtliche Ermittlungen könnten zu einer deutlich härteren Verurteilung führen als die bisherigen Geldstrafen.

Erstmeldung vom 28. Juli:

München - Es gehört schon sehr viel Mut dazu, in diesen Zeiten in Russland öffentlich aufzustehen und den Ukraine-Krieg zu verdammen. Denn Wladimir Putin kennt kein Pardon bei von seiner Agenda abweichenden Meinungen. Und seine Ordnungshüter sind alles andere als zimperlich.

Das erfuhr auch Marina Owsjannikowa am eigenen Leib. Die Journalistin wurde weltberühmt, als sie am 14. März die Bühne einer Live-Nachrichtensendung in Russland nutzte, um sich hinter der Sprecherin zu platzieren und für alle sichtbar ein Protestplakat in die TV-Kamera zu halten. Wegen dieses Auftritts, der Putin die Zornesröte ins Gesicht getrieben haben dürfte, wurde sie verhaftet und zu einer Geldstrafe von 30.000 Rubel - umgerechnet gut 479 Euro - verurteilt.

Marina Owsjannikowa steht mit einem Protestplakat hinter einer Nachrichtensprecherin
Plötzlich im Fernsehen: Marina Owsjannikowa (r.) nutzte im März die Gelegenheit, live in einer russischen Nachrichtensendung gegen den Ukraine-Krieg zu protestieren. © IMAGO / Italy Photo Press

Protest gegen Ukraine-Krieg: Journalistin Owsjannikowa muss nach Verhaftung wieder Geldstrafe zahlen

Doch deswegen lässt sich Owsjannikowa keinesfalls den Mund verbieten. Was neben Überzeugungskraft und Durchhaltevermögen noch mehr Mut erfordert. Bei ihrer neuesten Protestaktion am Rande einer Gerichtsverhandlung gegen den russischen Oppositionellen Ilja Jaschin bezeichnete sie Putin als „Mörder“ und die russischen Soldaten als „Faschisten“. Zudem verwies sie auf die vielen getöteten Kinder in der Ukraine. Auch dieser Einsatz endete mit einer Festnahme.

Im Internet kursierten Bilder, die zeigen, wie Owsjannikowa von zwei Uniformierten in Richtung eines weißen Transporters geleitet wird. Nach Aufnahme der Personalien sei sie wieder auf freien Fuß gekommen, nun steht auch das Urteil. Erneut eine Geldstrafe. 50.000 Rubel - etwas weniger als 800 Euro - muss die einstige Mitarbeiterin des staatlichen Fernsehsenders „Perwy Kanal“ diesmal zahlen, berichtet die russische staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Weil sie das Ansehen der russischen Armee beschmutzt habe.

Protest gegen Putin und seinen Ukraine-Krieg: Kreml will weiterhin Selenskyj stürzen

Weiter heißt es, Owsjannikowa habe sich auf die „Freiheit des Wortes“ vor Gericht berufen. In Russland ticken die Uhren spätestens seit dem Einmarsch der Kreml-Truppen in die Ukraine allerdings anders.

So wurde vor Monaten ein Gesetz verabschiedet, dass Strafen von bis zu 15 Jahren Haft ermöglicht, wenn Informationen über das Militär verbreitet werden, die von den Behörden als falsch eingestuft werden. Putins Regime zufolge findet derzeit etwa gar kein Krieg statt, denn offiziell bleibt es bei der Geschichte der militärischen Spezial-Operation, die die Ziele verfolgt, die Ukraine zu entnazifizieren und die Kiewer Regierung um Präsident Wolodymyr Selenskyj abzusetzen.

Marina Owsjannikowa steht neben einem Mann vor Gericht
Zweite Geldstrafe wegen Antikriegs-Protest: Marina Owsjannikowa lässt sich von Wladimir Putin und seinem Regime nicht unterkriegen. (Szene nach ihrer Verhandlung am 15. März) © IMAGO / ITAR-TASS

Geldstrafe nach Protest gegen Putin: Owsjannikowa auch aus privaten Gründen zurück in Russland

Owsjannikowa hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, nach Russland zurückzukehren. Nachdem sie zuvor mehrere Monate im Ausland gearbeitet hatte, unter anderem für die zum Axel-Springer-Imperium zählende Zeitung Die Welt. In ihrer Heimat wolle sie den Sorgerechtsstreit um ihre beiden Kinder beilegen. Wie ihr Anwalt Dmitri Sachwatow erklärte, hat sie derzeit keine Pläne, Russland zu verlassen.

Putin wird das nicht gefallen. Denn ihm ist spätestens jetzt bewusst: Owsjannikowa weiß sich für ihre wichtige Botschaft in Szene zu setzen. Sie hat längst ein Publikum. Und sie wird sehr wahrscheinlich wieder von sich hören lassen. (mg)

Auch interessant

Kommentare