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USA beziehen noch immer Öl aus Russland: Joe Biden hält Embargo für möglich

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Von: Nail Akkoyun

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US-Präsident Joe Biden erklärt am 2. März der Presse gegenüber, dass russische Öllieferungen in die USA künftig eingestellt werden könnten.
US-Präsident Joe Biden erklärt am 2. März der Presse gegenüber, dass russische Öllieferungen in die USA künftig eingestellt werden könnten. © Yuri Gripas/Imago

In den USA werden immer mehr Forderungen nach einem Stopp der Öl-Lieferungen aus Russland laut. Präsident Joe Biden will sich die Option offenhalten.

Washington – Trotz weitreichender Sanktionen gegen Russland* beziehen die USA* noch immer russisches Öl. Ein Zustand, der sich laut Präsident Joe Biden* schon bald ändern könnte. „Erwägen Sie ein Verbot russischer Öleinfuhren?“, fragte ein Reporter Biden vor dem Weißen Haus, als der US-Präsident am Mittwoch auf eine Reise in die Staaten Minnesota und Wisconsin aufbrach. „Nichts ist vom Tisch“, sagte Biden darauf.

Noch in der letzten Woche hieß es aus dem Weißen Haus, dass man sich die russischen Lieferungen vorerst weiter sichern wolle, obwohl man hinter der Ukraine stehe – kritische Stimmen betonen jedoch, dass Moskau mit seinen Energieverkäufen den Einmarsch finanziere.

Kritik an Joe Biden: Republikaner fordern Embargo auf Energieimporte aus Russland

Die Republikaner* kritisierten den US-Präsidenten zuletzt wegen seiner Energiepolitik und forderten dessen Regierung auf, mehr zu tun, um die heimische Produktion anzukurbeln und so die Unabhängigkeit von russischem Öl zu vergrößern. Noch vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine forderte die Republikanische Partei den Stopp der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2*.

„Die jüngsten Ereignisse in der Ukraine sind ein weiteres Beispiel dafür, warum wir Energie an unsere Freunde verkaufen und nicht von unseren Feinden kaufen sollten“, schrieb Kevin Stitt, Gouverneur von Oklohoma, auf Twitter. Auch der US-Abgeordnete Tom Cole und die Senatoren Jerry Moran und Roger Marshall forderten in einem Brief an US-Präsident Biden ein sofortiges Embargo auf Energieimporte aus Russland.

USA: Rohöl aus Russland macht nur einen Bruchteil US-amerikanischer Ölimporte aus

„Um es klar zu sagen: Unsere Sanktionen zielen nicht darauf, den derzeitigen Energiefluss aus Russland in die Welt zu unterbrechen“, sagte Daleep Singh, stellvertretender nationaler Sicherheitsberater des Weißen Hauses, am Donnerstag (04.03.2022). Man wolle „einen geordneten Übergang dieser Ströme weg von sanktionierten Institutionen“ ermöglichen, dafür seien auch bereits andere Lizenzen zur Verfügung gestellt worden.

So genehmigte Joe Biden die Verteilung von Öl aus der strategischen Erdölreserve der USA, nachdem der Ukraine-Konflikt* die Gaspreise auf ein Sieben-Jahres-Hoch getrieben hatte. Die steigenden Preise bereiten vor allem den Vereinigten Staaten, dem größten Ölverbraucher der Welt, große Sorgen, da die Inflation seit geraumer Zeit ihre Spuren in der US-Wirtschaft hinterlässt.

Dazu sei gesagt, dass die USA russisches Öl zwar importieren, allerdings von den Lieferungen nicht abhängig sind. Angaben des Branchenverbands American Fuel and Petrochemical Manufacturers (AFPM) zufolge, importierten die Vereinigten Staaten vergangenes Jahr pro Tag durchschnittlich 209.000 Barrel russisches Rohöl. Was zunächst nach einer hohen Menge klingt, macht laut einem Bericht des Nachrichtensenders Al Jazeera aber lediglich 3 Prozent der US-amerikanischen Ölimporte aus. Den Großteil bezieht die USA demnach mit 61 Prozent aus dem Nachbarland Kanada.

Lieferstopp von russischem Öl könnte Inflation in den USA weiter anheizen

Beschränkungen für russische Ölexporte würden die USA demzufolge nicht sonderlich hart treffen, glaubt Adam Pankratz, Professor an der Auder School of Business der University of British Columbia. „Die kurze Antwort ist, dass es die USA nicht so sehr betreffen würde“, sagte Pankratz gegenüber Al Jazeera. „Wenn es wirklich drastisch wird, haben die USA eine strategische Erdölreserve.“

Nach Ansicht von Pankratz seien jedoch nicht nur die direkten Folgen eines Importstopps zu berücksichtigen, sondern auch die weiterreichenden wirtschaftlichen Konsequenzen. „Wenn die USA aufhört, russisches Öl zu importieren, würde das bedeuten, dass wahrscheinlich auch viele andere Länder kein russisches Öl mehr importieren würden. Und das würde den ohnehin schon sehr angespannten Ölmarkt noch viel enger machen.“ Dies hätte zur Folge, dass der Ölpreis weiter hochgetrieben und die Inflation weiter angeheizt würde.

Die Inflation stieg in den Vereinigten Staaten im Januar 2021 auf 7,5 Prozent, wie das Bureau of Labor Statics mitteilte – der höchste Werte seit Juli 1982. Laut einer aktuellen Studie des Finanzforschungsdienstleisters Moody’s Analytics bedeutet das für einen durchschnittlichen amerikanischen Haushalt einen Anstieg der monatlichen Ausgaben um 276 US-Dollar. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine dürfte die Situation nur noch weiter verschärfen. (nak) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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