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Wie BuzzFeed News Deutschland recherchiert und seine Quellen schützt

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Von: Daniel Drepper

Von Korruption über Umweltskandale bis sexualisierte Gewalt: BuzzFeed News Deutschland deckt strukturelle Missstände und Machtmissbrauch auf.
Von Korruption über Umweltskandale bis sexualisierte Gewalt: BuzzFeed News Deutschland deckt strukturelle Missstände und Machtmissbrauch auf. © © 2020 BuzzFeed

Investigative Recherchen sind häufig monatelange Prozesse. Viele Gesprächspartner:innen schützen wir, sie tauchen in den veröffentlichten Texten nie auf. Gleichzeitig sind sie extrem wichtig für uns. Mit je mehr Menschen wir sprechen, desto größer ist die Chance, dass wir der Wahrheit möglichst nahe kommen. Hier erklären wir, wie wir vorgehen und was Sie erwartet, wenn Sie mit uns sprechen.

BuzzFeed News Deutschland recherchiert exklusive Geschichten über Machtmissbrauch und strukturelle Probleme in unserer Gesellschaft. Wir berichten immer wieder über Probleme und Ereignisse, die unserer Ansicht nach in anderen Medien bisher nicht genug Aufmerksamkeit bekommen haben oder nicht tief genug recherchiert worden sind. Unsere vier Reporter:innen können ihre Recherchen über einen langen Zeitraum immer weiter verfolgen. Einige unserer Schwerpunkt-Themen sind Umwelt- und Gesundheitsschutz, Arbeitsausbeutung, sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch, Hass und Gewalt gegen die LGBT*-Community, Korruption und digitaler Betrug.

Warum wir wissen, was wir tun?

Unser vierköpfiges Team hat in den vergangenen Jahren sehr viele Erfahrungen mit aufwändigen Recherchen, mit dem Schutz von Quellen, der Stellungnahme von mutmaßlichen Tätern und der Veröffentlichung von juristisch heiklen Geschichten gemacht.

Unsere Reporter:innen sind für ihre Arbeit mit den wichtigsten deutschen Journalistenpreisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Nannen-Preis, dem Reporterpreis, dem Wächterpreis und dem Otto-Brenner-Preis.

Zum Start von BuzzFeed News in Deutschland hat Chefredakteur Daniel Drepper einen Text über seine Vorstellungen von Journalismus geschrieben, der gut das Grundverständnis von BuzzFeed News Deutschland widerspiegelt. Wer mehr über unser grundsätzliches Vorgehen in der Redaktion erfahren möchte, der findet hier einen Text über die „investigative Kultur“ bei BuzzFeed News Deutschland.

Welche Art von Informationen und Geschichten sind für BuzzFeed News relevant?

Grundsätzlich interessieren alle Informationen, bei denen es um den Missbrauch von Macht geht. Interessant sind Dinge für uns, wenn sie bisher nicht oder kaum öffentlich bekannt sind oder zusätzliche Belege liefern für einen Missstand, der bereits öffentlich diskutiert wurde. Wir versuchen stets Dinge ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, die andere, mächtige Personen nicht veröffentlicht sehen wollen. Ob eine Geschichte für BuzzFeed News interessant ist, lässt sich am besten in einem persönlichen Gespräch klären.

Wie kann ich mit BuzzFeed News Deutschland sprechen und was erwartet mich?

Wir sind über vielfältige Kanäle erreichbar. Am einfachsten erreichen Sie uns über recherche@buzzfeed.de. Sollten Sie mit einer Reporter:in direkt ins Gespräch kommen wollen, finden Sie hier die jeweiligen E-Mail-Adressen: Juliane Löffler, Katrin Langhans, Marcus Engert und Daniel Drepper. Auf Anfrage sind wir alle auch über die Signal erreichbar. Sie können uns auch über einen sicheren, anonymen Briefkasten der US-Kolleg:innen erreichen. Diese geben uns das Material dann über Signal weiter.

Wenn sich jemand bei uns meldet, gibt es oft zunächst ein kurzes Telefonat, um zu verstehen, worum es geht. Danach stehen möglicherweise weitere Telefonate oder – je nach Situation – ein erstes, persönliches Treffen an. Dafür kann vereinbart werden, dass die Person die Reporter:in erst einmal kennenlernt. Ein Treffen bedeutet nicht, dass Informationen aus dem Gespräch mit der Journalist:in dann auch direkt zu einer Veröffentlichung führen.

Die Person wird über alle Schritte in der Recherche informiert, die sie unmittelbar betreffen. Es werden keine Informationen über eine Quelle veröffentlicht, denen die jeweilige Person nicht zustimmt. Wenn sich jemand entscheidet, über eine mutmaßliche Straftat (etwa sexuelle Belästigung) mit BuzzFeed News zu sprechen, steht das in keinem Zusammenhang mit einem strafrechtlichen Prozess. Wer mit Journalist:innen spricht, muss deshalb niemanden anzeigen. Und auch wir Journalisten geben die mutmaßlichen Straftaten nicht an die Polizei oder andere Dritte weiter. Auch ist es nicht zwingend notwendig, dass die Person mit ihrem Namen an die Öffentlichkeit geht.

Anonym bleiben – was bedeutet das?

Natürlich freuen wir uns über jede und jeden, die oder der mit richtigem Namen in unserer Berichterstattung zitiert werden möchte. Je klarer und transparenter die Fakten von uns in die Öffentlichkeit vermittelt werden können, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Geschichte auch Veränderungen bewirkt. Gleichzeitig verstehen wir natürlich, dass dies vielen Hinweisgebern und Quellen nicht möglich ist. Deshalb versprechen wir unseren Gesprächspartnern immer wieder Anonymität.

Anonym zu bleiben bedeutet, dass der echte Name der Person, die mit einer Reporterin spricht, nur dieser Reporterin und höchstens noch unserem Chefredakteur Daniel Drepper bekannt ist. Wir werden den Namen der Person nicht an Dritte weitergeben. Nicht an den mutmaßlichen Täter, nicht an die Institution, bei der er beschäftigt ist. Für den seltenen Fall, dass es zu einem Gerichtsverfahren kommt, haben wir als Journalist:innen das Recht, unsere Quellen auch vor Offenlegung gegenüber Strafverfolgungsbehörden zu schützen. Und wir werden das auch tun. Nicht einmal eine Richter:in kann uns zwingen, eine Quelle offenzulegen. Das heißt: Der Name einer Quelle ist bei uns sicher.

Natürlich gibt es außer dem Namen einer Person noch weitere identifizierende Details, etwa wann die Person mit dem mutmaßlichen Täter zusammengearbeitet hat, Ort und Zeit eines Übergriffs oder der Zugang zu bestimmten Dokumenten. Diese Details können in Absprache mit der Person nicht veröffentlicht oder in seltenen Fällen auch geringfügig verändert werden, sodass eine Identifizierung nicht möglich ist. Unsere Artikel basieren zudem stets auf mehreren Quellen, so dass meist nur Teile von Aussagen oder Dokumenten genutzt werden und aus den verschiedenen Quellen ein Gesamtbild entsteht, das wiederum die einzelnen Quellen schützt.

Stellungnahme – was ist das?

Wenn der Artikel kurz vor Veröffentlichung steht, sind wir verpflichtet, den Beschuldigten oder die Beschuldigte und meist auch ihren Arbeitgeber/die entsprechende Institution mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Das passiert meist schriftlich und dient dazu, der Person ihr Recht auf Stellungnahme zu gewähren. Unsere Anfrage zur Stellungnahme wird so formuliert, dass sie die Vorwürfe der zu erwartenden Veröffentlichung deutlich macht. Das ist wichtig, damit Personen eine faire Chance haben, sich zum Geschehen zu äußern. Wurde aber mit unseren Quellen etwa vereinbart, den genaue Ort oder den Zeitraum der Übergriffe nicht zu veröffentlichen, wird dies auch in der Stellungnahme nicht offengelegt.

Wie ist die rechtliche Situation nach Veröffentlichung?

BuzzFeed News ist für den Inhalt des veröffentlichten Artikels rechtlich verantwortlich. Das bedeutet: Wenn eine Person anonym mit uns spricht, kann sie danach nicht rechtlich dafür belangt werden. Strengt der Täter ein Gerichtsverfahren gegen die Veröffentlichung an, dann führt BuzzFeed News dieses Gerichtsverfahren. Wichtige Bedingung: Die Aussagen der Person müssen wahrheitsgetreu sein. Grundsätzlich veröffentlichen wir nur, was wir gründlich recherchiert und rechtlich geprüft haben. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass wir eine Person bitten werden, Kontakte oder weitere Belege zu benennen, die ihre Aussagen bestätigen können.

Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit. Wenn Sie Informationen oder Dokumente haben, die für eine Recherche interessant sein könnten, melden Sie sich bitte jederzeit bei uns. Hier finden Sie die zuletzt veröffentlichten Texte von BuzzFeed News Deutschland. Und hier schreiben die vier Reporter:innen ausführlicher über ihre Arbeit.

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