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Cytotec-Recherche von BuzzFeed News und BR nominiert für Nannen Preis

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Das umstrittene Medikament Cytotec wird zur Einleitung von Geburten verwendet, mitunter zu hoch dosiert, das kann zu schweren Komplikationen führen.

Uli Deck/dpa - Montage Cytotec: Maximilian Litzka © Uli Deck/dpa - Montage: Maximilian Litzka

Eine monatelange Recherche zu Problemen mit dem umstrittenen Medikament Cytotec ist von der Jury des renommierten Nannen Preises in der Kategorie Investigation nominiert worden. Damit gilt die Recherche von BuzzFeed News, dem Bayerischen Rundfunk und der Süddeutschen Zeitung als eine der drei besten Recherchen des vergangenen Jahres.

Seit dem vergangenen Frühjahr berichten die Autorinnen Katrin Langhans (BuzzFeed News, früher Süddeutsche Zeitung), Eva Achinger und Ann-Kathrin Wetter (beide Bayerischer Rundfunk) über Probleme mit dem Medikament Cytotec. Dieses Medikament wird im sogenannten Off-Label-Use auch für die Einleitung von Geburten verwendet. Dort hat es in der Vergangenheit den Recherchen zufolge jedoch immer wieder zu Komplikationen geführt, etwa weil Ärzt:innen das Medikament zu hoch dosierten und bei Komplikationen nicht schnell genug reagierten.

Cytotec: Schwere Komplikationen und mehr als 400 Meldungen bei zuständiger Behörde

Die Reporterinnen deckten eine Reihe von Fällen auf, in denen im Zusammenhang mit der Gabe von Cytotec schwere Komplikationen bei Mutter und Kind auftraten. Das geht aus Gutachten, Patientenunterlagen und Gerichtsakten hervor. Seit den ersten Veröffentlichungen zum Thema im Frühjahr 2020 meldeten sich zahlreiche Betroffene mit Verdachtsfällen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dieses verfasste zunächst ein Warnschreiben an Ärzt:innen. Im Frühjahr diesen Jahres hat die Behörde darauf eingewirkt, dass die bisher aktiven Import-Firmen Cytotec nicht mehr regulär in Deutschland vertreiben. Hintergrund dafür sei das mit Cytotec verbundene Risiko „schwerwiegender gesundheitlicher Schädigungen für schwangere Frauen und ungeborene Kinder durch unsachgemäße Anwendung” in der Geburtshilfe.

Der Behörde liegen mittlerweile mehr als 400 Meldungen vor – über teils schwerwiegende Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Medikament. Die Meldungen stammen von Müttern und Ärzt:innen und enthalten Berichte aus systematischen Untersuchungen. Ein Kausalzusammenhang ist im Einzelfall nicht bewiesen, es handelt sich um Verdachtsmeldungen. Vor der Berichterstattung der Autorinnen waren es nur 14 Fälle in Verbindung mit der Geburtshilfe beziehungsweise 74, wenn man Komplikationen bei Schwangerschaftsabbrüchen und Fehlgeburten mit dazu zählt. Die Meldungen reichen von traumatischen Geburtsverläufen bis hin zu schwerwiegenden seltenen Komplikationen wie dem Riss der Gebärmutter oder der Schädigung des Kindes unter Sauerstoffmangel unter extrem starken Wehen. Im Zusammenhang mit der Einleitung von Geburten war dem BfArM vor der Recherche kein Todesfall bekannt. Heute sind es acht: zwei Mütter, sechs Kinder.

Nannen Preis: Recherche mit XYZ und XYZ für „beste Investigation“ nominiert

Die Recherchen von BuzzFeed News und dem Bayerischen Rundfunk (in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung) sind am heutigen Freitag als eine der drei besten Recherchen des vergangenen Jahres für den renommierten Nannen Preis nominiert worden. Neben der Cytotec-Recherche sind zwei Arbeiten des Spiegel nominiert („Der König der Spione“ und „Das sind die Männer, die Nawalny töten sollten“ in Kooperation mit Bellingcat, CNN, The Insider).

Die virtuelle Preisverleihung wird am 1. Juni ab 19 Uhr live auf YouTube übertragen. Eine weitere Recherche von BuzzFeed News zu den sogenannten FinCEN-Files war von der Jury des Nannen Preises auf die Shortlist genommen und damit zu einer der zehn besten Recherchen des Jahres gewählt worden.

Der Nannen Preis gilt als einer der wichtigsten Journalistenpreise in Deutschland. In den Kategorien „Geschichte des Jahres“, „Republik“, „Egon Erwin Kisch-Preis“, „Lokal“ und „Investigation“ werden die besten journalistischen Veröffentlichungen des Jahres prämiert. In der Kategorie „Investigation“ gab es in diesem Jahr 200 Einreichungen. Ausgezeichnet werden hervorragende journalistische Leistungen, „die unbekannten oder unterdrückten Fakten zum Durchbruch verhelfen. Zum Beispiel, indem sie einen Missstand oder einen Rechtsbruch aufdecken.“

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