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Cytotec-Recherche gewinnt Gutenberg-Recherchepreis, Georg-Schreiber Medienpreis und DRK-Medienpreis

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Von: Katrin Langhans

Eine Schwangere besucht die Vorsorgeuntersuchung.
Eine Schwangere bei der Vorsorgeuntersuchung. © Caroline Seidel/dpa

Die gemeinsame Recherche von BuzzFeed News, dem Bayerischen Rundfunk, Report München und der Süddeutschen Zeitung über die riskante Anwendung des Medikamentes Cytotec wird mehrfach ausgezeichnet.

Die Autorinnen Eva Achinger (BR Recherche), Ann-Kathrin Wetter (BR Recherche) und Katrin Langhans (BuzzFeed News/Ippen Investigativ) haben über Monate hinweg zu der problematischen Anwendung des Medikamentes Cytotec in der Geburtshilfe recherchiert. Dafür wurden sie jetzt mit dem Dr. Georg Schreiber-Medienpreis in der Kategorie Hörfunk und dem DRK Medienpreis in der Kategorie Digitale Medien ausgezeichnet. Die VRM in Mainz und die Lingen-Stiftung vergeben den Gutenberg-Recherchepreis für Nachwuchsjournalisten an Katrin Langhans für den Text „Riskante Dosis“.

Das Medikament Cytotec wird außerhalb der Zulassung im sogenannten Off-Label-Use für die Einleitung von Geburten verwendet. Ärzt:innen hatten das Medikament immer wieder hoch dosiert oder bei schweren Komplikationen nicht schnell genug reagiert.

Die Reporterinnen deckten auf, dass im Zusammenhang mit der Tablette Cytotec in seltenen Fälle schwere Komplikationen aufgetreten waren; im Zusammenhang mit Cytotec waren Kinder unter extrem starken Wehen unter Sauerstoffmangel zur Welt gekommen, in seltenen Fällen war die Gebärmutter gerissen und es war vereinzelt zu Todesfällen gekommen. Das ging aus Gutachten, Fallstudien und Gerichtsurteilen hervor.

Den „Dr. Georg Schreiber-Medienpreis“ verleiht die AOK Bayern, um journalistische Arbeiten auszuzeichnen, die „auf vorbildliche Weise dazu beitragen”, dass sich Leser:innen mit sozialen und gesundheitspolitischen Themen auseinandersetzen. In der Kategorie „Digitale Medien“ gewinnt die Langzeit-Recherche auch den Medienpreis des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die journalistischen Arbeiten, die von der Jury ausgezeichnet wurden, beschäftigen sich auf besondere Weise mit gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen. Der Gutenberg-Recherchepreis zeichnet exzellenten Journalismus in Lokalzeitungen und Online-Medien für Nachwuchsjournalist:innen in der Kategorie U35 aus.

Hunderte Hinweise nach den Recherchen

Nach der Berichterstattung der Reporterinnen über Probleme im Umgang mit Cytotec gingen mehr als 400 neue Meldungen über vermutete Nebenwirkungen des Medikamentes beim Bundesinstitut für Arzneimittel- und Risikobewertung (BfArM) ein. Die Eingaben stammen von Müttern und Ärzt:innen und aus systematischen Untersuchungen. Unter den Meldungen sind sowohl traumatische Geburtsverläufe als auch schwere Nebenwirkungen wie der Riss der Gebärmutter oder Sauerstoffmangel beim Kind, der das Hirn schädigen kann. Es handelt sich dabei um Verdachtsmeldungen, ein Kausalzusammenhang ist im Einzelfall nicht bewiesen. Die Überwachungsbehörde BfArM verfasste in der Folge einen sogenannten Rote-Hand-Brief an Ärzt:innen, in dem sie vor dem Teilen der Tablette warnte und auf zugelassene Alternativen zur Anwendung in der Geburtshilfe verwies.

Der Wirkstoff Misoprostol, der in der Tablette steckt, ist gut erforscht und in niedriger Dosierung vergleichbar sicher wie zugelassene Alternativen, um eine Geburt einzuleiten. Das Problem ist der Umgang mit dem Medikament. Ärzt:innen hatten Gebärenden mitunter doppelte bis viermal so viel verabreicht, wie die Weltgesundheitsorganisation und das unabhängige Cochrane-Institut empfehlen.

Behörde drängt auf Importstopp

Mehr als 100 Betroffene haben sich in den vergangenen Monaten unter der Selbsthilfegruppe Cytotec-Stories zusammengeschlossen. Dutzende Mütter und Väter klagen vor Gericht, weil sie man sie nicht über die schweren seltenen Komplikationen des Medikamentes aufgeklärt habe. 

Im Frühjahr diesen Jahres hat die Überwachungsbehörde BfArM darauf eingewirkt, dass Import-Firmen das Medikament Cytotec nicht mehr regulär in Deutschland vertreiben. Hintergrund dafür sei das mit Cytotec verbundene Risiko „schwerwiegender gesundheitlicher Schädigungen für schwangere Frauen und ungeborene Kinder durch unsachgemäße Anwendung” in der Geburtshilfe.

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