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Die 12 beeindruckendsten Frauen, an denen 2017 niemand vorbeigekommen ist

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Von: Pascale Müller

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Gefängnis, Morddrohungen, Männerdomänen - diese Frauen ließen sich dieses Jahr nicht unterkriegen.

1. Meşale Tolu - die für ihren Journalismus eingesperrt wurde.

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Die deutsche Journalistin wurde Ende April in der Türkei festgenommen und war später unter anderem wegen „Terrorpropaganda“ angeklagt. Zeitweise war auch ihr kleiner Sohn zusammen mit ihr im Gefängnis. Tolu arbeitete für die Nachrichtenagentur Etha, schrieb dort vor allem über internationale Politik und übersetzte Texte aus dem Ausland ins Türkische.

Nach fast acht Monaten in Untersuchungshaft wurde Tolu Ende Dezember 2017 aus der Untersuchungshaft entlassen.

2. Die Frauenärztin Kristina Hänel - die sich dafür einsetzt, dass Frauen sich einfacher über Schwangerschaftsabbrüche informieren können.

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Die Ärztin Kristina Hänel wurde am 24. November 2017 vom Gießener Landgericht verurteilt, weil sie auf ihrer Webseite Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen verlinkt hat. Seitdem wird bundesweit über die Abschaffung des Paragrafen 219a diskutiert, auf dessen Grundlage Hänel verurteilt wurde. Mehr als 130.000 Menschen unterschrieben eine Petition zur Abschaffung des Paragrafen und auch die SPD, FDP, Linke und die Grünen im Bundestag wollen sich dafür einsetzen.

Kristina Hänel hat bereits angekündigt, dass sie eine Reform des Paragrafs nicht akzeptieren wird - und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht zieht, damit 219a abgeschafft wird.

3. Nicola Baumann und Insa Thiele-Eich - von denen eine die erste deutsche Astronautin sein wird.

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Die Kampfpilotin aus Köln und die Meteorologin aus Bonn haben sich in einem Auswahlverfahren gegen 400 Kandidatinnen durchgesetzt und werden jetzt zur Raumfahrerin ausgebildet.

Eine von ihnen wird 2020 als erste deutsche Astronautin als Teil einer Forschungsmission zur internationalen Raumstation (ISS) ins All fliegen.

4. Alle Frauen, die bei #metoo über sexuelle Übergriffe und Belästigung gesprochen haben.

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Tausende von Frauen haben 2017 unter #metoo öffentlich über sexualisierte Gewalt, Sexismus und Belästigung gesprochen und damit eine globale Bewegung losgetreten. Das Times Magazin hat diese Bewegung zur „Person des Jahres“ ernannt.

„Das ist der schnellste soziale Wandel, den wir seit Jahrzehnten gesehen haben, und er begann mit individuellen, mutigen Taten von Hunderten von Frauen - und auch von einigen Männern - die ihre eigenen Geschichten erzählten“, sagte Times-Chefredakteur Edward Felsenthal gegenüber NBC News.

5. Katarina Barley und Andrea Nahles - die versucht haben eine Debatte über sexuelle Belästigung und Sexismus in der Politik anzustoßen.

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Während in den USA, Schweden und Großbritannien die #metoo-Debatte um sexualisierte Gewalt, Sexismus und sexuelle Belästigung auch in der Politik ein regelrechtes Erdbeben ausgelöst hat, blieb es in Deutschland sehr still. Zwei der wenigen Politikerinnen, die sich öffentlich zu Sexismus und sexueller Belästigung im Bundestag geäußert haben sind Katarina Barley (SPD) und Andrea Nahles (SPD). Auch in der Politik würden Frauen häufig mit Bemerkungen über ihr Äußeres und ihr Auftreten sexuell erniedrigt, sagte Barley dem „Spiegel“.

Die Debatte, die durch #metoo ausgelöst wurde, sei "immens wichtig". Es sei aber auch frustrierend, "weil wir das Thema Sexismus immer wieder diskutieren und sich nicht viel ändert".

6. Marion Marschalek - die sich dafür einsetzt, dass mehr Frauen Hackerinnen werden.

Die Hackerin Marion Marschalek ist ein IT-Wunderkind, belegte 2013 den ersten Platz bei der renommierten Female Reverse Engineering Challenge und spricht auf der DEF CON 21, einer der wichtigsten Hacking-Konferenzen weltweit. 2015 entdeckt sie gemeinsam mit einem Kollegen die staatliche französische Spionagesoftware Babar, mit der unter anderem das iranische Atomprogramm ausspioniert wurde.

2017 startete sie Hacking-Workshops nur für Frauen. „Ich habe so viele Dinge in meinem Leben gemacht, wo ich das einzige Mädchen unter X Teilnehmern war“, schreibt sie auf ihrem Blog. „Und ich habe mich mehr als nur einmal in der Ecke versteckt.“ Mit ihren Trainings soll sich das für andere Frauen jetzt ändern.

7. Die Autorin Stefanie Sargnagel - die sich von Hasskommentaren im Netz nicht unterkriegen lässt.

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„Langsam glaub ich dass sich da eine völlig wahnsinnige Männergruppe auf einer Koksparty gegen mich verschworen hat“, schreibt Stefanie Sargnagel im März auf Twitter. Da hatte die österreichische Boulevardzeitung „Kronenzeitung“ gerade einen Shitstorm gegen die Autorin und Bachmann-Preisträgerin losgetreten. Der Anlass war eine Reise von Sargnagel nach Marokko, finanziert durch ein Literaturstipendium. Im „Standard“ hatte sie einen Reiseblog dazu verfasst und darin unter anderem über Haschisch, Wein und das Treten einer Babykatze geschrieben. Die Kronenzeitung titelte darauf: „Saufen und Kiffen auf Kosten der Steuerzahler“ und Sargnagel wurde wochenlang von Menschen im Netz auf's Übelste beschimpft und bedroht.


Die Autorin ging zum Gegenangriff über und fing an die Hasskommentare auf Twitter und Facebook zu veröffentlichen, um ihnen die Kraft zu nehmen.

8. Seyran Ateş - die eine liberale Moschee gegründet hat, in der Frauen und Männer nebeneinander beten können.

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Die Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş hat in Berlin eine liberale Moschee gegründet. In der Kreuzberger Ibn Rushd-Goethe-Moschee können Frauen neben Männern beten und sowohl Imam, als auch Imaminnen das Gebet leiten. Explizit ist ihre Mosche auch für LGBTS*s offen.

9. Bibiana Steinhaus - die als erste Frau Spiele der Fußballbundesliga für Männer leitet.

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Bibiana Steinhaus ist die erste Frau, die in der Fußballbundesliga der Männer pfeift. Am 10. September 2017 hatte sie ihr Debüt bei einem Spiel von Hertha BSC gegen den Werder Bremen. „Ich spüre in erster Linie Vorfreude, aber auch eine gewisse Anspannung – und Erwartungen. Vor allem Erwartungen, die ich an mich selbst stelle“, sagte Steinhaus im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ vor dem Anpfiff.

Steinhaus ist außerdem die erste Frau, die sowohl das Finale einer Weltmeisterschaft als auch das eines Olympischen Fußballturniers der Frauen geleitet hat.

10. Die Politikerin Michaela Engelmeier - die Morddrohungen und einen Sturm rechter Hetze im Netz durchgestanden hat.

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Die SPD-Politikerin aus Oberberg hatte am Abend der Bundestagswahl ein Interview gegeben, indem sie angesichts des Einzugs der AfD in den Bundestag mit den Tränen kämpfte. Als ein Video davon im Internet auftauchte, wurde Engelmeier von einer Welle rechten Hasses überzogen. Das Video wurde vielfach auf rechten Seiten geteilt, mit Kommentaren wir „SPD-Tussi heult ins Mikrofon“.

Engelmeier und ihre Mitarbeiter bekamen Morddrohungen, sie musste ihr Büro schließen und schaltete ihre Facebook-Seite ab - trotzdem lässt sie sich nicht einschüchtern.

11. Angela Merkel - die keine Krise zu erschüttern scheint.

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Auch wenn in den Kommentaren der Wochenzeitungen schon Abgesänge auf die Bundeskanzlerin formuliert werden und Angela Merkel durch die gescheiterten Jamaika-Verhandlungen stark unter Druck geraten ist, war sie auch 2017 die wohl mächtigste Frau Europas.

12. Diese drei Abiturientinnen - die in einem offenen Brief sexuelle Belästigung in Clubs angeprangert haben.

„Liebe alternative Clubs in Jena, ich hab euch eigentlich ganz schön gern. Bei euch würde ich mich wohlig wie zuhause fühlen – wäre da nicht diese eine Sache. Nachts fühle ich mich bei euch nicht sicher. Ab einer bestimmten Uhrzeit werde ich oft gegen meinen Willen angefasst, geküsst, belästigt.“ Das schrieben die Abiturientinnen Alina Sonnefeld, Lara Treff, Hilde Teichgräber, Laura Struppert, Fiona Rost, Jenny Bornmann und Martha Kirmse im Juni in einem offenen Brief über Übergriffe in Clubs.

Mindestens ein Club lud die Frauen danach zum Gespräch ein und versprach das Problem anzugehen.

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