Die andalusische Justizministerin kündigt nach BuzzFeed-Recherche Ermittlungen an

Der Staatsanwaltschaft sei mindestens ein Fall von sexualisierter Gewalt gegen Erntehelferinnen bekannt.

Die andalusische Ministerin für Justiz und Inneres, Rosa Aguilar, hat angekündigt, gegen den Missbrauch von Erntehelferinnen durch Vorgesetzte zu ermitteln. Das sagte Aguilar in einer Parlamentsdebatte am Donnerstagabend.

Gleichzeitig gab die Ministerin bekannt, dass der Staatsanwaltschaft mindestens ein Fall von sexualisierter Gewalt gegen eine Erntehelferin bekannt sei. Nun sammle man gemeinsam mit dem Arbeitsministerium und der Arbeitsinspektion weitere Informationen. Aguilar sagte außerdem, es sei noch unklar, ob es sich um ein flächendeckendes Problem handele.

Die Regierung werde in Zusammenarbeit mit Agrarverbänden Informationskampagnen für Erntehelferinnen durchführen, sagte Aguilar und bat dafür auch die Regierung in Madrid um Mithilfe.

Die Untersuchung ist eine Reaktion auf eine gemeinsamen Recherche von BuzzFeed News und dem Recherchebüro Correctiv, welche diese Missstände aufgedeckt hatte.

Die stellvertretende Vorsitzende des linken Parlamentsbündnisses Elena Cortés bedauerte, dass es ausländischer Medien bedurft habe, um die Situation der Erdbeerpflückerinnen öffentlich zu machen. Die Abgeordnete erinnerte daran, dass Andalusien bereits ein Gesetz gegen Gewalt gegen Frauen habe und es die Pflicht der Regierung sei, Arbeiterinnen zu schützen, die als Arbeitsmigrantinnen nach Spanien kämen.

Agrarverbände weisen Vorwürfe noch immer zurück

Auch die größte spanische Gewerkschaft, Comisiones Obreras (CCOO), hatte am Mittwoch angekündigt, gegen den Missbrauch vorzugehen. Das gab sie in einer Stellungnahme bekannt. Der Chef der Gewerkschaft SAT, Oscar Reina, sprach von „unmenschlichen Zuständen“.

Dem gegenüber stehen Aussagen von Agrarverbänden, wie Freshuelva, und dem marokkanischen Arbeitsministerium, die in Stellungnahmen zurückweisen, dass es Missbrauch oder Anzeigen gegeben habe.

Für die Recherche hatte BuzzFeed News mit mehr als 100 Erntehelferinnen in Spanien, Marokko und Italien gesprochen. 28 von ihnen gaben an, von ihren Vorgesetzten sexuell belästigt oder vergewaltigt worden zu sein. Rund 50 weiteren Frauen wurde körperliche Gewalt angetan und sie wurden bedroht.

Aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, schweigen die meisten Frauen. Weil sie häufig Arbeitsmigrantinnen sind, die Sprache nicht sprechen und direkt auf den Feldern leben, ist es für sie fast unmöglich, Anzeige zu erstatten oder sich Hilfe zu holen.

Mutmaßliche Täter bleiben fast immer straffrei und lokale Gewerkschaften und die Polizei, aber auch die verantwortlichen Behörden in Spanien trugen bisher kaum etwas zum Schutz der Frauen bei.

Hier lest ihr mehr über die Recherche:

Vergewaltigt auf Europas Feldern

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