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Diese Frau hat ihren Krebs verdammt nochmal überlebt, weil jemand auf Jodel ihr einen Tipp gab

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Diese Geschichte ist lang, aber sie lohnt sich. Versprochen.

Sagen wir, wie es ist: Jodel ist das soziale Netzwerk, das am meisten für Witze und Bilder aus deiner Region bekannt ist. Aber die Geschichte dieser Frau ist eine der emotionalsten Geschichten, die ich jemals auf dieser Plattform gelesen habe und deshalb teile ich sie mit dir.

1. Im November startet eine Studentin aus Köln diesen Jodel. Sie schreibt, dass sie 23 Jahre alt ist, Schilddrüsenkrebs im Endstadium und bereits 2 Chemotherapien dagegen durchgemacht hat.

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Weil Sie diesen Jodel-Thread gestartet hat, wird sie auf der anonymen Plattform „Original Jodler“, kurz „OJ“, genannt. Auch ich werde sie im Laufe dieses Artikels „OJ“ nennen, weil sie ihren richtigen Namen bisher nicht verraten hat.

2. OJ beantwortet der Jodel-Community zunächst viele Fragen zu ihrer Krankheit und wie weit sie fortgeschritten ist. Es sieht ziemlich hoffnungslos aus. „Es ist zu spät erkannt und ist inoperabel geworden“, schreibt sie.

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3. Sofort schreiben ihr andere auf der Plattform, was ihre Erfahrungen mit Krebs sind. „Krebs ist wirklich ein Hurensohn“, schreibt er oder sie.

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4. Eine weitere Frage der Jodel-Community beschäftigt sich mit den Lebensplänen von OJ: „Hättest du gerne vorher etwas anders gemacht z.B. mehr feiern, lesen, Freunde treffen statt für die Schule/Uni zu lernen oder zu arbeiten?“. OJs Antwort darauf:

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5. Dann schreibt sie darüber, wie ihre Familie damit umgeht.

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6. Als jemand nach den Symptomen für den Krebs fragt, antwortet sie:

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7. „Ich hatte nie was. Ich war kerngesund.“

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8. Aber dann antwortet der oder die 15. Jodel-Nutzer/in, der oder die wir im Laufe des Artikels auch nur noch „15“ nennen werden, weil die Person ihren Namen nicht verraten hat. „15“ fragt OJ, ob sie „Nivolumab“ bekommen hat. Eine Freundin hätte innerhalb kürzester Zeit sehr gute Erfahrungen gemacht, schreibt „15“.

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9. OJ schreibt, dass sie das die Nivolumab-Therapie noch nicht kennt.

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10. Nivolumab ist der Wirkstoff der ersten in Deutschland zugelassenen Immuntherapie. Bei einer solchen Therapie soll der Körper selbst schädliche und körperfremde Zellen erkennen und vernichten und so die Krebszellen zerstören. Sie gilt als großer Hoffnungsträger bei Krebserkrankungen und soll vor allem bei Lungenkrebs beeindruckende Erfolge erzielt haben, schreiben Apotheker und Experten.

Als Nachteile einer solcher Therapie nennen Experten starke Nebenwirkungen und die extrem hohen Kosten von bis zu 100.000 Euro im Jahr zu an, weil jede Infusion zwischen 13.000 und 15.000 Euro koste, schreibt dieses Gesundheitsportal.

11. Auch OJ und „15” unterhalten sich über die Nachteile der Therapie, OJ ist sich aber sicher, dass ihre Eltern das Geld für die Therapie aufbringen könnten.

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12. Und „15“ berät OJ nicht nur mit vielen Tipps zur Ernährung, „15“ erfragt auch andere medizinische Fakten.

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13. Und „15“ ist verdammt optimistisch!

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14. Dann gibt „15” den Tipp, doch einfach mal in der Uniklinik Köln gezielt nach Studien mit Nivolumab nachzufragen.

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15. Und OJ ist dran! Auch wenn sie sich nicht zu viele Hoffnungen machen will.

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16. „Du musst Hoffnung haben!“ schreibt „15“.

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17. Auch andere Leute steigen bei Jodel mit ein und schreiben, wie super die „15“ finden:

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18. OJ recherchiert weiter und bedankt sich für die Tipps von „15“.

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19. Der Jodel-Thread wird zu einer Art Stammtisch von OJ. Sie schreibt regelmäßig, wie es ihr mit der Krankheit geht oder einfach nur, was aus ihrer Sicht das Tollste an der Krankheit ist.

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20. ❤️❤️❤️ Und sie schreibt darüber, wie verdammt wichtig gute Freunde sind ❤️❤️❤️

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21. „Krebs ist der letzte Dreck“ antworten andere.

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22. Einige Tage später gibt es Neuigkeiten. OJ schreibt, dass sie tatsächlich Chancen hat, in eine Studie für die Therapie aufgenommen zu werden. FREUDE in der ganzen Gruppe — alleine 620 Upvotes bekommt OJ auf diese Nachricht.

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23. Nun muss nur noch geprüft werden, ob sie auch wirklich geeignet ist.

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24. Ganz viele Daumen werden gedrückt.

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25. „Ich höre meine Mama unten in der Küche gerade weinen. Aber es hört sich nach einem guten Weinen an.“

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26. OJ schreibt, dass sie ganz viel mit ihrer Mutter am Computer sitzt und über die Therapie recherchiert. „15“ teilt währenddessen weitere Erfahrungen:

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27. Ganz viele solcher Nachrichten gibt es zwischendrin:

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28. Wie wundervoll, wenn das Internet Menschen so verbindet. ❤️

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29. Und wieder diese Nachrichten an OJ, die einfach ans Herz gehen.

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30. Die Tage vergehen. Es ist Winter. OJ schreibt ganz viel darüber, was die Krankheit mit ihrem Körper gemacht hat. Unter anderem sei ihre Stimme viel rauer geworden. Es gibt gute Tage und dazwischen schlechte Tage wie diesen, schreibt sie.

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31. Und dann: BÄM. 🙌🙌🙌🙌🙌

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32. „Ich freue mich tierisch“ schreibt „15“.

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33. „Danke danke danke. Du hast mir die Hoffnung geschenkt, die ich nicht mehr hatte, als ich diesen Jodel geschrieben hatte.“

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Es ist okay, an dieser Stelle eine Träne zu verdrücken.

34. 🙌🙌🙌🙌🙌

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35. Was für ein guter Tag für OJ.

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36. Weitere Tage vergehen und schon geht es los.

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OJ schreibt, dass die Studie zwar für die meisten Kosten aufkommt, sie dennoch aber einen Eigenanteil zahlen muss. Außerdem kommt sie nicht in die Uniklinik, sondern in ein kleineres Krankenhaus, dessen genauen Ort sie nicht verraten möchte. Die Therapie wird so ablaufen, dass sie eine Woche täglich eine Behandlung bekommt, Ende Dezember und Anfang Januar dann eventuell nochmal, schreibt OJ.

37. Dann teilt sie das erste Bild:

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38. Im Krankenhaus geht es OJ zunächst überhaupt nicht gut.

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39. Aber sie verliert nicht ihren tollen Humor.

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40. Und schon nach kurzer Zeit gibt es die nächste gute Nachricht für OJ:

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41. In den kommenden Tagen melden sich noch mehr Leute, die bisher immer nur still mitgelesen haben.

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42. „Alle fiebern hier so sehr mit. Das gibt mir unglaubliche Kraft!“ schreibt OJ.

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43. Die Tagen und Wochen vergehen. Und obwohl OJ immer wieder schlecht ist, hat sie gute Nachrichten an die Jodel-Community:

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44. 😍😍😍

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45. Zeitsprung: Es ist nun Mitte Dezember. OJ verabredet sich mit anderen Jodlern auf einem Weihnachtsmarkt in Köln. Im Jodel-Thread wird viel gechattet. Über OJ, über ihren Hund oder darüber, welchen Studiengang man als junger Mensch eigentlich wählen sollte.

46. Aber dann ein Rückschlag: OJ wird krank. Eine Erkältung wird zu einer Mandelentzündung, die sogar kurzfristig operiert werden muss. Aber sie kämpft und es geht weiter.

47. Nochmal fast forward nach vorne. Ende Januar die Nachricht, auf die so viele gewartet haben. OJ schreibt: „Ich werde überleben.“

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48. JAAAAAAA

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49. 😭😭

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50. „Wegen euch glaube ich wieder an das Gute in uns.“

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51. Februar. OJ schreibt: „Es ist geschafft“

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„Sorry wenn ich nicht auf jeden Kommentar antworten kann.. es ist zu viel geworden! Aber ich danke euch allen von Herzen!!!“ schreibt OJ, als sie Dutzende Glückwünsche aus der Community bekommt.

Eine Person fragt, aus dem Kontakt mit „15“ geworden ist. OJ sagt dazu: „Wir haben kurze zeit sehr viel geschrieben, aber ich habe den Kontakt abgebrochen.“

BuzzFeed News hat mit Prof. Dr. Stefan Laufer vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Tübingen gesprochen.

Immuntherapien „wirken bei manchen Patienten sehr gut und ermöglichen bisher nicht erreichte Überlebenszeiten. Das Problem ist eher, dass sie nicht bei allen, sondern eher bei wenigen wirken“, sagt der Experte.

Auch mit der Uniklinik Köln haben wir gesprochen. „Nach einer solchen Therapie würden wir nicht sagen, dass der Krebs 'besiegt', sondern eher 'in Schach gehalten' ist. An einem solchen Zeitpunkt kann es nämlich immer noch bedeuten, dass man regelmäßig Medikamente einnehmen muss“, so Pressesprecher Christoph Wanko gegenüber BuzzFeed News.

Um diese Geschichte hier erzählen zu können, haben wir OJs-Geschichte zusammengefasst. Wenn du den ganzen langen Thread mit allen Antworten und Reaktionen lesen magst, findest du ihn hier auf Jodel.

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