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Ein Plakat mit AfD-Logo zeigt Zitate von Grünen-Politikern, aber alle Zitate sind falsch oder frei erfunden

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Zur Landtagswahl in Bayern ist dieses Plakat aufgetaucht. Die AfD Bayern streitet ab, das Plakat erstellt zu haben.

In Bayern ist in weniger als vier Wochen Landtagswahl, deshalb ist die AfD ist dort im Wahlkampf-Modus. Am Samstag hatten Beatrix von Storch und der AfD-Direktkandidat Peter Felser zu einer Gesprächsrunde in Weitnau im Oberallgäu eingeladen.

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Es erschienen aber nicht nur Anhänger der AfD, sondern auch Menschen, die gegen die AfD protestierten. Journalist Sebastian Lipp postete Fotos von der Demonstration gegen die AfD auf Twitter.

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Unter anderem fotografierte Lipp dieses Wahlplakat mit dem Titel „Aussagen Grüner Politiker“. Darunter das Logo der AfD.

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Aber: Alle vier Zitate der Grünen-Politiker auf diesem Plakat sind falsch.

Das erste Zitat stammt von der Hamburger Grünen-Politikerin Stefanie von Berg.

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Das Zitat auf dem Plakat sagt: „Es ist gut so, daß wir Deutsche bald in der Minderheit sind.“

Wie unter anderem Die Zeit berichtet, hat von Berg diesen Satz nie gesagt, er ist frei erfunden, aber kursiert seit 2016 im Netz, wie mimikama bereits hier ausführlich berichtete.

Das zweite Zitat stammt vom ehemaligen Grünen-Politiker Joschka Fischer.

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„Deutschland muss von außen eingehegt und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden“, sagte Joschka Fischer angeblich.

Diesen Satz hat Joschka Fischer nie gesagt. Er stammt aus einer Buchrezension von Autorin Mariam Lau, die 2005 in der Zeitung Die Welt ein Buch von Joschka Fischer mit diesen Worten kommentierte. Das Zitat stammt also nicht von Joschka Fischer, wie auch die Braunschweiger Zeitung schon einmal ausführlich erklärt hatte.

Auch ein Zitat des Grünen-Politikers Daniel Cohn-Bendit zeigt das AfD-Plakat.

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Cohn-Bendit soll angeblich gesagt haben: „Wir, die Grünen, müssen dafür sorgen, so viele Ausländer wie möglich nach Deutschland zu holen. Wenn sie in Deutschland sind, müssen wir für ihr Wahlrecht kämpfen. Wenn wir das erreicht haben, werden wir den Stimmenanteil haben, den wir brauchen, um diese Republik zu verändern.”

Für dieses Zitat von Cohn-Bendit gibt es keine Quelle. Es wird seit Jahren immer wieder in sozialen Netzwerken verbreitet. Unter anderem in rechtsradikalen Foren und von der ehemaligen CDU-Politikerin Erika Steinbach. Focus Online fragte Frau Steinbach, was die Quelle für dieses Zitat sei. „Im Internet gefunden“, sagte Steinbach daraufhin gegenüber Focus Online.

Das vierte Zitat stammt von Jürgen Trittin.

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Trittin soll angeblich gesagt haben: „Es geht nicht um Recht oder Unrecht in der Einwanderungsdebatte. Uns geht es zuerst um die Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils in diesem Land.“

Dieses Zitat soll Trittin in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im Januar 2005 gesagt haben. Die Braunschweiger Zeitung überprüfte die Behauptung und fragte bei den Kollegen der FAS nach. Stellt sich heraus: Diesen Satz hat Trittin nie gesagt.

Die AfD Bayern bestreitet, dass das Plakat mit AfD-Logo in der Nähe ihrer Wahlkampf-Veranstaltung ein Plakat von ihnen ist.

„Es ist wohl wie so oft ein Versuch, uns Dinge unterzuschieben, die wir nicht behauptet haben, um uns zu diskreditieren“, antwortet die Pressestelle der AfD Bayern gegenüber BuzzFeed News. Die AfD hat keine Erklärung, wer der Urheber des Plakates ist.

Die AfD Bayern wirft außerdem ihren politischen Gegnern vor, im bayerischen Landtagswahlkampf mit unfairen Mitteln zu arbeiten: „Wenn Sie uns sagen können, wer das Plakat verwendet oder erstellt hat, werden wir rechtlich gegen die missbräuchliche Nutzung unseres Logos vorgehen.“

Im Internet werden immer wieder gefälschte Politiker-Zitate verbreitet – meist von der AfD oder AfD-Sympathisanten

Immer wieder hat BuzzFeed News in den vergangenen Monaten über Versuche der Desinformation mit gefälschten Politiker-Zitaten berichtet. Vor allem die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach verbreitet auf Twitter regelmäßig frei erfundene oder aus dem Kontext gerissene Zitate. Vergangene Woche verbreitete sie zum Beispiel ein falsches Zitat der Grünen-Politikerin Renate Künast. Auch Beatrix von Storch, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD, verbreitete auf Twitter gefälschte Umfrageergebnisse, die offenbar mit einer Bildbearbeitungssoftware manipuliert wurden.

Auch die Webseite Halle-Leaks verbreitet gefälschte Politiker-Zitate und ist damit oft erfolgreicher als echte Nachrichten, wie BuzzFeed News bereits im März berichtete.

Über die gefälschten Zitate auf dem Plakat mit AfD-Logo vom Samstag in Weitnau berichteten zuerst die Faktenchecker von mimikama.

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