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Direktor am Max-Planck-Institut Luxemburg gibt nach Buzzfeed-Recherche den Vorstandsvorsitz auf

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Berichte eines Whistleblowers, Gespräche mit Mitarbeiter:innen und eine interne Umfrage am Institut wiesen auf ein schwer belastetes Arbeitsklima und Mobbingerfahrungen am Luxemburger Max-Planck-Institut für Verfahrensrecht hin.
Berichte eines Whistleblowers, Gespräche mit Mitarbeiter:innen und eine interne Umfrage am Institut wiesen auf ein schwer belastetes Arbeitsklima und Mobbingerfahrungen am Luxemburger Max-Planck-Institut für Verfahrensrecht hin. © Arne Dedert

Eine interne Untersuchung der Max-Planck-Gesellschaft am Luxemburger Max-Planck-Instituts hat offenbar so gravierende Probleme ans Licht gebracht, dass ein Direktor seinen Vorstandsvorsitz des Instituts aufgibt. Es geht unter anderem um Vorwürfe von Mobbing und psychischer Belästigung. 

von Hristio Boytchev

Darüber hat der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Martin Stratmann die Belegschaft des Instituts in einem Brief vom 21. Januar informiert. Zuerst hatte Buzzfeed News Deutschland im Februar 2020 exklusiv über die Mobbing-Vorwürfe und andere Probleme am Institut berichtet.

Die Vorwürfe betrafen zu einem großen Teil eine Direktorin des Max-Planck-Institut Luxemburg für internationales, europäisches und regulatorisches Verfahrensrecht (MPI). Sie stützten sich auf Berichte eines Whistleblowers, Gespräche mit Mitarbeiter:innen und eine interne Umfrage am Institut, die auf ein schwer belastetes Arbeitsklima und Mobbingerfahrungen hinwies. Eine ehemalige Mitarbeiter:in sprach BuzzFeed News gegenüber von einer „reinen und ausschließlichen Angstkultur“ am Institut.

Die Berichterstattung wurde im Anschluss von luxemburgischen und deutschen Medien aufgegriffen. Daraufhin einigten sich MPG und das Luxemburger Forschungsministerium, das das MPI finanziert, eine vorerst geplante dritte Direktorenstelle bis auf Weiteres nicht zu besetzen. Zudem wurde eine interne Untersuchung der Vorgänge anberaumt.

Max-Planck-Gesellschaft: „Berichte über psychische Belästigung und Mobbing“

„Wie Sie alle wissen, hat sich im Institut eine Krise aufgebaut, die im Laufe des Februars 2020 auch zu negativen Berichten in verschiedenen Medien geführt hat“, schrieb MPG-Präsident Martin Stratmann vergangene Woche an die Belegschaft. „Wenig zuvor hatte eine örtliche Umfrage erhebliche Unzufriedenheit u.a. mit den im Institut herrschenden Führungspraktiken und der internen Kommunikation ergeben. Außerdem hatte es Berichte über psychischer Belästigung und Mobbing gegeben.“

(Hier veröffentlichen wir den Brief von MPG-Präsident Martin Stratmann im Original.)

Um die „besorgniserregenden Zustände und die vorgebrachten Beschwerden zu bewerten und das Institut in ruhigeres Fahrwasser zu bringen“ wurde vom Verwaltungsrat des Instituts ein Sonderbeauftragter entsandt, der wiederum eine formale Untersuchung der Stabsstelle „Interne Untersuchungen“ empfahl. „Während der Untersuchung kamen weitere Mängel ans Licht, denen nachgegangen werden musste“, schreibt Stratmann. Um welche Mängel es sich handelt, wird im Brief nicht ausgeführt.

Die MPG wollte eine Anfrage zu Erkenntnissen und Konsequenzen aus der Untersuchung nicht detaillierter beantworten, da es sich laut einer Sprecherin „um vertrauliche Personalangelegenheiten handelt“. Der Sonderbeauftragte des Verwaltungsrats werde aber noch Gespräche mit der Mitarbeitervertretung führen.  

Konkrete Konsequenzen hält die Max-Planck-Gesellschaft geheim

Am 7. Januar habe das Exekutivkomitee die zwei Direktor:innen des Instituts formell angehört, schrieb MPG-Präsident Stratmann in seinem Brief. Danach habe es „eine Reihe von Schritten“ unternommen, die es für „notwendig und angemessen“ hielt. Auch um was es sich für Schritte handelt, will die MPG nicht konkretisieren. „Sie werden sicher verstehen, dass Einzelheiten dazu aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht bekannt gegeben werden können“, schrieb Stratmann den Mitarbeiter:innen.

„Das Präsidium ist zuversichtlich, dass beide Direktoren von nun an ihr Möglichstes tun werden, um eine Wiederholung der Probleme der Vergangenheit zu vermeiden“, schreibt Stratmann. Worauf diese Zuversicht beruht, will die MPG nicht konkret beantworten, verweist stattdessen auf schon eingeleitete Maßnahmen wie institutseigene Regeln gegen Belästigung, eine Vertrauensanwältin und Führungskräfte-Coaching.

Einzig eine Konsequenz aus der Untersuchung ist nun bekannt: Einer der Institutsdirektoren gibt der MPG zufolge seine Funktion als Vorstandsvorsitzender des Instituts auf. „Nach unserer Auffassung sind damit alle Folgeverfahren und die Leitung des Instituts im Allgemeinen in guten Händen“, schrieb Stratmann an die Mitarbeiter:innen. Das werde allen am Institut die Gelegenheit geben, sich auf ihre Kernaufgabe zu konzentrieren: exzellente Forschung. Die Direktorin, gegen die sich die Vorwürfe zu einem großen Teil richteten, wird im Brief nicht namentlich erwähnt.

Die BuzzFeed News-Recherche von Februar 2020 hatte neben Problemen am MPI Luxemburg auch den Verdacht eines nachlässigen Umgangs der MPG mit einem Whistleblower des Instituts thematisiert. Offenbar war seine Identität an die Institutsleitung verraten worden – entgegen einer eigenen Richtlinie. Zu diesem Vorgang und zu möglichen Konsequenzen daraus will sich die MPG trotz wiederholter Nachfrage von BuzzFeed News nicht äußern. 

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