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7 Hinweise darauf, dass die „Harry Potter“-Filme leider alles andere als divers sind

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Von: Kilian Bäuml

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Cho Chang und Parvati Patil sind als Namen ein bisschen so, wie eine deutsche Figur Manfred Müller zu nennen.

Harry Potter“ ist für mich ein Stück Kindheit und Nostalgie. Untrennbar mit dem Franchise verbunden ist allerdings auch Autorin J.K. Rowling. Sie selbst scheint gerne im Nachhinein zu erklären, wie divers das Potterversum ist, wie beispielsweise als sie 2007 bekannt gab, dass Dumbledore schwul ist. Das letzte Buch war zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht und lässt Dumbledores Sexualität damit offen, genau wie später die Filme. Ist das Potterversum also wirklich divers? Oder klingt es nachträglich einfach besser so?

„J.K. Rowling hat so viel für Diversität getan, wie Dumbledore schwul zu machen, nachdem es eine Rolle gespielt hätte und sich nicht darum zu kümmern, dass Hermine Schwarz ist. Wow!“

Lass uns einen Blick auf die Harry Potter-Filme werfen und mal sehen, ob sie die angebliche Diversität der Reihe widerspiegeln ...

1. Ein besonders weißer Cast.

Wirft man einen Blick auf die Besetzung, fällt sofort auf: Die sind alle weiß. Von den Protagonist:innen Harry, Ron und Hermine, über die Lehrkräfte wie Dumbledore, McGonagall, Snape und Hagrid. Klar, da gibt es Dean Thomas und den Quidditch-Kommentator Lee Jordan, die beide als Randfigur ein paar Sätze sagen. Abgesehen von ihnen, fällt mir gerade aber keine andere nicht-weiße Figur in den gesamten ersten drei Filmen ein.

Harry Potter actors attend a photocall outside of St Pancras Station and hotel in central London
Der sehr weiße Cast von „Harry Potter“. © Warner Bros

2. Mit Absicht britisch.

Der Regisseur der ersten Harry Potter-Filme Chris Columbus erinnert sich an J.K. Rowlings „british only“-Regel: Sie beide hatten sich bei ihrem ersten Treffen darauf geeinigt, dass der Cast zu 100 Prozent britisch sein sollte. Talentierte junge Schauspieler:innen aus anderen Ländern hatten so gar nicht erst eine Chance. Genau die hätten den Cast aber möglicherweise diverser machen können. Fun Fact: Diese Regel hat auch dazu geführt, dass Robin Williams nicht zum Casting durfte.

Emma Watson, Daniel Radcliffe (L) und Rupert Grint - Filmszene aus -  Harry Potter and the Sorcerer s Stone . PUBLICATI
Hogwarts ist sehr britisch! © imago stock&people via www.imago-images.de

3. Wer wichtig wird, wird ... weiß?

Erinnerst du dich noch an Lavender Brown? Genau, das Mädchen mit den langen blonden Haaren, das in Ron verknallt war und bis dahin nie erwähnt wurde. Außer dass sie eigentlich doch schon zuvor in Hogwarts war, als Randcharakter. Gespielt wurde sie von der Schwarzen Schauspielerin Jennifer Smith. Für den sechsten Teil bekam dann aber die weiße Schauspielerin Jessi Cave die Rolle und war als Lavender Brown zum ersten Mal prominenter zu sehen.

Lavender Brown in Harry Potter and the Halfbloodprince
Lavender Brown in „Harry Potter und der Halbblutprinz“. © Warner Bros

4. Cho Chang, Parvati Patil und Manfred Müller oder was auch immer J.K. Rowling sich dachte.

Ab dem vierten Teil kommen immerhin Cho Chang und die Patil-Schwestern als weitere Nebenfiguren dazu. Rechnet man ihre gesamte Screentime zusammen, kommt man sicher auf stolze fünf Minuten. Und bleiben wir mal kurz bei den Namen. Viel Mühe gegeben hat sich Rowling hier offensichtlich nicht. Leider klingen diese eher, als ob sie sich die stereotypischsten Namen zusammengebastelt hat.

Cho Chang und Parvati Patil sind als Namen ein bisschen so wie eine deutsche Figur Manfred Müller oder eine italienische Figur Silvio Salvatore zu nennen, oder? Warum heißen die englischen Figuren nicht auch so? Ron Roberts, Harry Hobs und Hermine Hanks könnte man sich doch auch ganz einfach merken. Mein persönlicher Favorit wäre Devin Dumblebore.

Besetzung Harry Potter und der Halbblutprinz
Harry Potter und die Figuren, deren Namen kreativer hätten sein können. © Warner Bros

5. Gut gekleidete Klischees.

Ebenfalls im vierten Teil findet der Weihnachtsball statt. Harry und Ron gehen mit Parvati und Padma Patil, Cedric Diggory wird von Cho Chang zum Ball begleitet. Während die anderen Schülerinnen Kleider tragen, trägt Cho eine Art Kimono-dress, die Parvati-Schwestern tragen einen Sari. Das sind natürlich wunderschöne Kleidungsstücke, versteh mich nicht falsch. Mir stellt sich aber die Frage, ob es sich hier nicht um einen plumpen Versuch handelt, die Frauen als exotisch zu verkaufen.

Harry Potter, Ron Weasley und die Patil-Schwestern auf dem Weihnachtsball
Harry, Ron und die Patil-Schwestern auf dem Weihnachtsball in „Harry Potter und der Feuerkelch“ © Warner Bros

6. Hermine ist Schwarz, nur leider nicht in den Büchern und Filmen.

Als das Harry Potter Musical besetzt wurde, bekam die Schwarze Schauspielerin Noma Dumezweni die Rolle der Hermine. Die Reaktionen waren damals gemischt. J.K. Rowling selbst twitterte 2015, dass sie Hermine nie explizit als weiß geschrieben hatte. Canon ist, dass „Hermine braune Augen, buschige Haare hat und sehr klug ist,“ schreibt Rowling.

Man kann also zumindest sagen, dass das Potterverse an mancher Stelle diverser wird. Auch wenn dieser Schritt nicht direkt von der Autorin selbst ausgeht. Denn in den Filmen ist und bleibt Hermine weiß und in den Büchern liest nun mal jede:r, was er oder sie will.

7. Eine unsichtbare queere Handlung?

Wer die Harry Potter-Filme aufmerksam geguckt hat, dem müssen die ganzen Anspielungen auf Dumbledores sexuelle Orientierung aufgefallen sein. Was? Dir auch nicht?! Wo waren die nochmal? Womöglich in J.K. Rowlings Einbildung, immerhin hat sie die Figur geschrieben. Nur eben nie offiziell als schwul. Erst nach Veröffentlichung des letzten Buches der Hauptreihe 2007, gab sie Dumbledores Sexualität offiziell bekannt. Entsprechend hat es diese eben auch nie in die Filme oder Bücher geschafft. Etwaige Gay-Hints scheint Rowling also als Einzige zu sehen. Zumindest kenne ich niemanden, der diese bemerkt hätte.

Tatsächlich ist mir in allen acht Harry Potter-Filmen keine Handlung aufgefallen, die irgendwen oder auch nur irgendetwas aus der LGBTQ+ Szene behandelt.

Hinweis mit Spoiler-Alarm: Im neuesten Teil von Phantastische Tierwesen mit dem Titel Dumbledores Geheimnisse spielt die Sexualität des Hogwarts-Direktors tatsächlich eine größere Rolle. Besser spät als nie.

Fazit

Auch wenn es vielleicht anders rüberkommt, mag ich die Harry Potter-Filme wirklich sehr gerne. Aber sind sie deshalb divers? Auf keinem Fall und bei meiner Recherche bin ich fast ausschließlich auf die gleiche Meinung gestoßen. Das ist aber nicht unbedingt überraschend. Als die Filme gedreht wurden, war Diversität und Sichtbarkeit (leider) noch kein großes Thema. Die meisten Filme und Serien dieser Zeit sind mit einem überwiegend weißen Cast besetzt. Im Zweifel bin ich deshalb für den Angeklagten und unterstelle nicht den ganzen Produzent:innen Rassismus und/oder Homophobie.

ABER warum dann im Nachhinein so tun als ob? Einfach versuchen, auf einer Woke-Welle mitzuschwimmen und sich selbst zu profilieren? Das ist doch letztendlich nur eins: ganz schön unglaubwürdig.

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