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9 LGBTQIA+-Filme und Serien, die viel mehr Bekanntheit verdient haben

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Von: Mika Engelhardt

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Bildmontage: Ausschnitte aus „The Power of The Dog“.
The „Power of The Dog“ sollte von viel mehr Leuten gesehen werden. © Kirsty Griffin/Netflix/BuzzFeed Austria

Wir alle kennen „Brokeback Mountain“, „The Danish Girl“ oder „Call me by your name“. Aber das LGBTQIA+-Kino hat auch ganz andere, unbekanntere Perlen hervorgebracht.

1. Pride (2014)

Dieser britische Film hat in Österreich und Deutschland leider nie ein großes Publikum gefunden. Das ist schade, denn „Pride“ bietet eine gelungene Mischung aus historischen Informationen, Feelgood-Komödie und Drama. Die Zuschauer:innen folgen dem jungen schwulen Mann Joe Cooper, der sich der Gruppe „Lesbians and Gays Support the Miners“ anschließt, um eine Stadt voller Minenarbeiter:innen vor dem Ruin zu retten. In der Stadt kommen die Lesben und Schwulen zunächst gar nicht gut an - aber nach und nach entwickelt sich eine ganz besondere Verbindung.

Die Story von „Pride“ ist einfach nur abgefahren, daher ist es umso verwunderlicher, dass sie tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht. Der Film ist ein wunderbares Beispiel für Nächstenliebe und Akzeptanz und fährt mit einer tollen Reihe von Schauspieler:innen auf. George MacKay („1917“) spielt Joe, neben ihm sind zum Beispiel Andrew Scott (Moriarty aus „Sherlock“) und Imelda Staunton (Umbridge aus „Harry Potter“) zu sehen. Alle liefern hier Höchstleistungen ab und bringen das Publikum gleichermaßen zum Lachen und Weinen. „Pride“ empfiehlt sich für alle Altersklassen und lässt die Zuschauer:innen garantiert mit einem Lächeln zurück.

2. Love, Simon (2018)

„Love, Simon“ hat etwas Historisches geschafft, denn es war der erste große amerikanische Studiofilm, der einen schwulen Teenager ins Zentrum stellte. Basierend auf dem Buch „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“, wird die Geschichte des Schülers Simon erzählt, der sich per E-Mail in einen Mitschüler verknallt, ohne zu wissen, um wen es sich handelt. Doch dann geraten die Mails an die Öffentlichkeit und Simons großes Geheimnis in Gefahr. Der Film wurde vom schwulen Regisseur Greg Berlanti inszeniert und der geht sein Thema mit viel Liebe und Fingerspitzengefühl an.

Simon lebt eigentlich in einer perfekten Welt, und so kommen nie große Zweifel an einem Happy End auf. Aber es ist auch sehr erfrischend, einen Film mit LGBTQIA+-Thematik zu sehen, der eben nicht übermäßig dramatisch oder traurig ist. „Love, Simon“ ist zuckersüß bis zum Finale auf dem Jahrmarkt. Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp und Jorge Lendenborg Jr. erschaffen liebenswerte Protagonist:innen, denen man gerne die Daumen drückt. Wer Highschool-Komödien wie „Einfach zu haben“ oder „The DUFF“ mag, wird sicherlich auch Spaß mit „Love, Simon“ haben.

3. Freier Fall (2013)

Bei „Freier Fall“ begeben wir uns wieder ins Feld der dramatischen LGBTQIA+-Filme. Der Film stammt aus Deutschland und erzählt die Geschichte zweier Polizisten, die gut befreundet sind - und plötzlich bemerken, dass da mehr als nur Freundschaft ist. Da einer von beiden aber gerade ein Kind mit seiner Freundin erwartet, wagen sie sich zunächst nicht, zu ihren Gefühlen zu stehen. Doch ewig können sie ihre Affäre nicht verheimlichen. „Freier Fall“ ist definitiv kein Feelgood-Film. Die beiden Protagonisten kämpfen sichtlich mit sich selbst und es gibt keine Auflösung, die nicht mindestens eine Person schwer verletzen würde.

Dennoch nähert sich der Film vorurteilsfrei und mit viel Gefühl seinen Charakteren und lässt die Zuschauer:innen mit ihnen leiden. Zudem werden spannende Themenbereiche wie Homophobie im Beruf und das Coming-Out in einer späteren Lebensphase angesprochen. All das sorgt vielleicht nicht für einen unterhaltsamen, aber auf jeden Fall für einen eindrucksvollen und unter die Haut gehenden Film. Seit der Veröffentlichung im Jahr 2013 wird über eine Fortsetzung gesprochen, und wenn die ebenso gefühlvoll und emotional gerät, würde ich die Figuren gerne wiedersehen.

4. Happiest Season (2020)

Ein bisschen schwungvoller und lustiger wird es wieder mit „Happiest Season“, der eigentlich zu Weihnachten 2020 in den Kinos gestartet wäre. Corona machte dem leider einen Strich durch die Rechnung, aber der Film kann jetzt im Heimkino geliehen oder auf DVD gekauft werden. Im Zentrum steht das lesbische Paar Abby und Harper (gespielt von Kristen Stewart und Mackenzie Davis), das über Weihnachten zu Harpers Familie fährt. Doch auf dem Weg beichtet die junge Frau ihrer Freundin, dass sie dort noch kein Coming-Out hatte. Was folgt, ist ein aberwitziges Versteckspiel mit vielen unangenehmen Situationen.

„Happiest Season“ ist die Art von Komödie, die zum Teil richtig wehtut. Immer wieder werden Abby und Harper fast entdeckt, treffen auf einen (männlichen) Ex-Freund von Harper oder werden in unterschiedlichen Zimmern untergebracht. Als Zuschauer:in leidet man da richtig mit. Dass die Beziehung dabei ins Wanken gerät, ist klar. Trotz einiger problematischer Szenen bleibt „Happiest Season“ aber ein leichtfüßiger und unterhaltsamer Weihnachtsfilm, der in Zukunft im November oder Dezember jeden Jahres auf meiner Watchlist stehen wird. Auch hier wird an einer Fortsetzung gearbeitet, und ich würde mich sehr freuen, wenn ich sehen könnte, wie es mit Abby, Harper und ihrer Familie weitergeht.

5. Porträt einer jungen Frau in Flammen (2019)

Aus irgendeinem Grund gibt es überproportional viele historische Filme mit verbotenen, lesbischen Beziehungen im Zentrum. So reiht sich „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ beispielsweise hinter „Ammonite“ mit Kate Winslet und Saoirse Ronan, „The World to come“ mit der Oscar-Nominierten Vanessa Kirby, „Carol“ mit Cate Blanchett und „Colette“ mit Keira Knightley ein. „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ ist ein französischer, sehr ruhiger und wunderschön anzusehener Film, in dem sich eine Malerin und eine junge Frau, die gemalt werden soll, heimlich näherkommen.

Die Regisseurin Céline Sciamma lässt in vielen Momenten einfach ihre Bilder sprechen und setzt auf lange Kameraeinstellungen. Über weite Strecken wirkt der Film selbst wie ein Gemälde. Die Beziehung der beiden Frauen geht fast wortlos vonstatten, stattdessen gibt es lange, gefühlvolle Blicke und viel Malerei. Für einige Zuschauer:innen könnte das definitiv zu langweilig werden, aber wer die Geduld mitbringt, wird mit einem ganz besonderen Film belohnt, der sich im Kopf einnistet und nicht mehr verschwindet.

6. The Power of the Dog (2021)

Als letzten Film möchte ich „The Power of the Dog“ vorstellen, dessen LGBTQIA+-Thematik über weite Strecken nur ganz subtil und unterschwellig bleibt. Der Film ist aktuell einer der Top-Anwärter auf den Oscar als bester Film 2022 - und das Beste ist, dass er weltweit bei Netflix zu sehen ist. Also haben alle, die ihn sehen wollen, auch Zugriff auf den Film, was bei Oscarfilmen oft leider keine Selbstverständlichkeit ist. Regisseurin Jane Campion erzählt die Geschichte zweier Brüder im Jahr 1925, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Einer will heiraten und denkt modern, der andere ist in Gedanken noch immer ein Cowboy. Benedict Cumberbatch spielt den wortkargen Phil brillant - für mich ist es seine bisher beste Rolle.

Über lange Zeit ist gar nicht so klar, was „The Power of the Dog“ für eine Geschichte erzählen will. Zu Beginn liegt der Fokus auf der Romanze von Phils Bruder George mit seiner Frau Rose (Kirsten Dunst), aber dann wechselt der Fokus immer mehr auf Phil und Rose‘ Sohn Peter. Peter ist ein recht feminin wirkender Mann, was Phil zuerst dazu bringt, den Jungen zu verspotten. Aber dann kommen sich die beiden immer näher. Es handelt sich hierbei aber definitiv nicht um ein zweites „Brokeback Mountain“, sondern vielmehr um eine Betrachtung kaputter Menschen.

Wie schon „Portät einer jungen Frau in Flammen“ ist „The Power of the Dog“ nichts für Zuschauer:innen, denen es etwas ausmacht, wenn nur sehr wenig geschieht. Aber auch hier handelt es sich um einen Film, der nachwirkt und über den ich immer noch nachdenke. Zudem sieht der Film einfach nur grandios aus. Die Landschaften und Panoramen sind atemberaubend, die Atmosphäre ist stimmig, die Schicksale der Figuren gehen ans Herz. Und wie gesagt, der Film ist bei Netflix, also schadet es definitiv nicht, mal für ein paar Minuten reinzuschnuppern.

7. Feel Good (2020-2021)

„Feel Good“ ist ein kleiner Serien-Geheimtipp, der im gewaltigen Katalog von Netflix einfach untergegangen ist. Die Hauptdarstellerin und Serienschöpferin Mae Martin spielt eine fiktionalisierte Version von sich selbst. Mae beginnt eine Beziehung mit Georgina, die das erste Mal mit einer Frau zusammenkommt. Beide Frauen schleppen einige mentale Päckchen mit sich. Hier läuft nichts nach Plan. Als junges Paar müssen sie allerlei Hindernisse überwinden, ihre Leben sortieren, den nervigen Eltern entkommen und auch erst einmal mit sich selbst klarkommen.

Dass „Feel Good“ eine persönliche Geschichte für Mae Martin ist, merkt man in jedem Moment. Zum Teil hat man beinahe das Gefühl, in einer Art Therapiesitzung gelandet zu sein, in der Martin Traumata und Probleme aus der Vergangenheit verarbeitet. Das sorgt für eines der faszinierendsten Serienerlebnissen, die ich je hatte. „Feel Good“ ist dramatisch bis depressiv, aber gleichzeitig verdammt lustig. Auch Lisa Kudrow (bekannt aus „Friends“) taucht regelmäßig als Maes Mutter auf und fügt bitterböse, trockene Humorspitzen bei. Wenn euch Serien wie „Fleabag“ gefallen, seid ihr bei „Feel Good“ wahrscheinlich bestens aufgehoben.

8. Schitt‘s Creek (2015-2020)

Wer einfach nur gute Laune haben möchte, landet mit „Schitt‘s Creek“ einen Volltreffer. Ich habe selten beim Ansehen einer Serie so viel gelacht und mich so schnell in eine ganze Reihe von Figuren verliebt. Die reiche Rose-Familie verliert zu Beginn ihr ganzes Geld und zieht sich notgedrungen in eine heruntergekommene Kleinstadt namens Schitt‘s Creek, wo sie das beschauliche Leben der Leute dort ganz schön umkrempeln. Im Fokus von „Schitt‘s Creek“ steht definitiv die Fish out of water-Geschichte der ganzen Familie, aber im Verlauf der Staffeln nimmt die Romanze des bisexuellen Sohnes David immer mehr Raum ein.

David wird von Dan Levy gespielt, der die Serie mit seinem Vater auch geschaffen hat. Dan ist selbst homosexuell und spielt eine abgewandelte Version von sich selbst. Seine Beziehung zu Patrick ist ein Herzstück der Serie und wird zu keinem Zeitpunkt ins Lächerliche gezogen oder dramatisch. Wahrscheinlich ist es eine der gesündesten Beziehungen der Film- und Seriengeschichte und man drückt den beiden einfach gerne die Daumen. „Schitt‘s Creek“ macht allen Spaß, nicht nur Fans von LGBTQIA+-Content. Kein Wunder, dass die Serie mit Preisen überschüttet wurde. Bei uns ist sie bei Amazon Prime zu sehen und ein absoluter Geheimtipp.

9. Halston (2021)

Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Worte über „Halston“ verlieren. Die Miniserie behandelt das Leben des Designers Halston, über den ich davor eigentlich gar nichts wusste. Aber die Serie, gepaart mit Ewan McGregors fantastischer Performance als exzentrischer und egozentrischer Meister seines Faches, haben mich einfach in den Bann gezogen. Halston war nicht nur ein begabter Designer, er war auch drogenabhängig, verkehrte in illustren Kreisen und hatte allerlei Liebschaften. All das findet einen Platz in der Serie, und auch wenn Halston nicht unbedingt immer ein Sympathieträger ist, hat mir die Serie am Ende doch das Herz gebrochen.

Ewan McGregor war nicht umsonst für seine Performance für einige Preise nominiert und gewann sogar den Emmy. Aber trotzdem ist die Serie nie ganz im Mainstream angekommen, weshalb ich sie an dieser Stelle noch einmal empfehlen möchte. Die Produktionswerte sind großartig, die Serie sieht teuer und aufwendig aus, die Geschichte wird spannend und mit viel Gefühl erzählt. Mir persönlich gefällt das Miniserien-Konzept auch sehr gut, denn die Geschichte ist danach vorbei und es kommen nicht noch 14 Staffeln.

So kann ich „Halston“ auch denen ans Herz legen, die sonst keine Serien-Fans sind. „Halston“ ist die perfekte Mischung aus Unterhaltung und Drama. Und die Geschichte einer oft übersehenen, aber wirklich wichtigen und einflussreichen queeren Person lernt man dabei gleich mit.

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