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Corona-Pandemie: Gentyp senkt Sterberisiko laut deutscher Studie um mehr als ein Drittel

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Von: Marcus Giebel

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Corona-Schnelltests liegen auf einem Haufen
Noch kein Grund zur Panik: Ein positiver Corona-Test muss längst nicht gleichbedeutend mit einer schwierigen Erkrankung sein. © IMAGO / Gottfried Czepluch

Hat das Coronavirus den Weg in den Körper gefunden, ist das Immunsystem gefragt. Deutschen Forschern zufolge scheint ein Gentyp eine schnelle Antwort zu begünstigen.

München - Vor Corona sind alle Menschen gleich? Diese Mutmaßung der ersten Pandemie-Wochen wird immer mehr überholt. Schon die ersten Monate, in denen das Virus grassierte, hatten aufgezeigt, dass SARS-CoV-2 besonders älteren und vorerkrankten Personen übel mitspielt. Mittlerweile gilt zudem die Erkenntnis, dass die Gefahr eines schweren Covid-19-Verlaufs auch von der Blutgruppe abhängt. Schutz bieten außerdem die verschiedenen zugelassenen Impfstoffe.

Nun zeigt eine Studie aus Deutschland, dass auch eine bestimmte Genvariante das Sterberisiko deutlich verringert. Und zwar um mehr als ein Drittel. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE). Bei der Arbeit handele es sich um die größte deutsche Studie zu Covid-19.

Sterberisiko durch Corona: 20 Prozent der untersuchten Patienten konnten nicht gerettet werden

Grundlage waren die Krankheitsverläufe von 1570 positiv-getesteten Patienten zwischen dem 11. März 2020 und dem 30. Juni 2021. Die Ergebnisse des Studienteams unter der Leitung von Dr. Birte Möhlendick vom Institut von Pharmakogenetik am Universitätsklinikum Essen wurden in der Fachzeitschrift „Frontiers in Genetics“ veröffentlicht.

Von den Probanden hatten 205 einen milden Verlauf, was einem Anteil von 13 Prozent entspricht. Sie konnten ambulant weiterbehandelt werden. 760 Patienten, also 48 Prozent, mussten stationär aufgenommen werden. Bei 292 Personen und damit fast einem Fünftel war eine intensivmedizinische Versorgung nötig, 313 der 1570 Corona-Infizierten starben. 20 Prozent konnten somit nicht gerettet werden.

Corona-Pandemie: Genvariante „GNB3 TT“ soll Sterberisiko deutlich reduzieren

„Wie bereits bekannt, konnten wir auch beobachten, dass ein jüngeres Lebensalter und das Fehlen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes das Risiko um die Hälfte reduziert, nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu sterben“, betonte Möhlendick und kam dann auf die Neuigkeit zu sprechen: „Aber besonders erstaunlich und bisher eine völlig neue Erkenntnis ist, dass die Genvariante ‚GNB3 TT‘ das Risiko, zu sterben, um 35 Prozent reduziert.“

Diesen Gentyp würden zehn Prozent der europäischen Bevölkerung in sich tragen. „GNB3 ist ein Gen, welches eine wichtige funktionelle Untereinheit der sogenannten G-Proteine verschlüsselt. Die G-Proteine sind in vielen Prozessen im Körper beteiligt. Unter anderem konnte unsere Arbeitsgruppe in eigenen Vorarbeiten bereits zeigen, dass die in der Studie beschriebene Genvariante eine Aktivierung von Immunzellen zur Folge hat“, erklärte die Studienleiterin der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

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Studie zum Coronavirus: Forscher schauen auf Krankheitsverläufe und Immunantworten

Bei der Frage nach der Schwere des Covid-19-Verlaufs sei besonders eine frühzeitige und adäquate Immunantwort wichtig. „So haben wir in dieser Studie zum einen geschaut, ob die Patienten mit unterschiedlich schweren Verläufen verschiedene Immunantworten haben und ob die Genvariante in ‚GNB3‘ gegebenenfalls dafür verantwortlich ist“, skizzierte Möhlendick das Vorgehen weiter.

Dabei arbeiteten die Forscher mit der Klinik für Infektiologie und dem Institut für Transfusionsmedizin zusammen. Und siehe da: Die Immunzellen von Personen mit einem milden Verlauf im Laborversuch reagierten stärker auf das Coronavirus als die Zellen von Menschen mit schweren Krankheitsverläufen.

Corona und Gentyp „GNB3 TT“: Stärkste Reaktion auf das Virus und deutlich reduziertes Sterberisiko

So ist man wieder bei dem Gentyp, der eine schnelle und passende Antwort auf die Coronaviren zu begünstigen scheint. Möhlendick fasst es folgendermaßen zusammen: „Wir konnten auch zeigen, dass die Zellen von Menschen mit dem ‚GNB3 TT‘-Genotyp am stärksten auf das Coronavirus reagierten, was möglicherweise erklärt, warum bei diesen Genträgern das Todesrisiko so stark reduziert ist.“

Da die Studie im Sommer 2021 endete, war die erst Monate später entdeckte Omikron-Variante noch kein Teil der Arbeit. Es laufen jedoch weitere Untersuchungen zum möglichen Einfluss weiterer Gentypen auf die Covid-19-Verläufe. Vielleicht werden schon bald weitere gute Nachrichten aus deutschen Laboren folgen. (mg)

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