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Kopfbälle im Fußball sind problematisch – vor allem bei Kindern

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Von: Jana Stäbener

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Besonders bei Kindern und Jugendlichen sind Kopfbälle gefährlich. Sie erhöhen das Risiko, später mal an Demenz zu erkranken, warnt Mai Thi Nguyen-Kim in ihrer Show „Maithink X“.

In ihrer letzten Show „Maithink X“ spricht die Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim über Kopfbälle im Fußball und warnt vor deren Gefahren. „Fußball ist ein großes Problem für unser Gesundheitssystem“, sagt die 35-Jährige in ihrer ZDF-Wissens-Show. Denn: auch Kopfbälle, die „gut gehen“ sorgen für sogenannte „Mikrogehirnerschütterungen“, die langfristig das Risiko für Demenz erhöhen.

Kopfbälle problematisch: Erhöhen Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz

Ihre Show „Maithink X“ vom 30. Oktober 2022 kündigt Mai Thi Nguyen-Kim auf Instagram schon mit den Worten an: „Fußball-Fans, heute auf keinen Fall #maithinkx schauen!!!“. Wer sich die etwa 30-minütige Sendung ansieht, versteht schnell, warum. In der aktuellen Show zeigt die Wissenschaftlerin und Moderatorin nicht nur, warum Kopfbälle problematisch sind – sondern kritisiert auch den Deutschen Fußballband (DFB), der auch schon für die „One Love“-Kapitänsbinde Kritik einstecken musste.

Nguyen-Kim geht näher auf die FIELD-Untersuchung ein, die das Risiko von Fußball auf die lebenslange Gesundheit und Demenz untersuchte. Interessant ist hier, dass Verteidiger das am stärksten erhöhte Risiko für neurodegenerative Erkrankungen (wie Demenz) hatte – nämlich ein fast 5-fach so hohes. „Und man kann schon sagen, dass Kopfbälle zu den Hauptaufgaben eines Verteidigers gehören“, so Nguyen-Kim bei „Maithink X“. Laut Inga Koerte, Neurowissenschaftlerin der LMU München, ist das Risiko übrigens umso höher, je jünger Menschen mit Kopfbällen beginnen. 

Aber warum hängt Demenz mit Kopfbällen zusammen? Die Science-Moderatorin erklärt das folgendermaßen: Bei Erschütterungen des Gehirns (wie Kopfbällen) werden die „Tau-Proteine“ durchgeschüttelt. Sie falten sich nicht mehr richtig oder verklumpen. Das führt zu einem „Stau im Gehirn“ also zu Krankheiten wie der Chronischen Traumatischen Enzephalopathie (CTE). Diese Krankheit wurde in einer Bostoner Studie bei 110 von 111 verstorbenen NFL-Profis nachgewiesen und scheint eine Begleiterkrankung von Demenz zu sein.

Junge macht Kopfball.
Kopfbälle sind vor allem im Kinder- und Jugendfußball problematisch, sagt Mai Thi Nguyen-Kim in ihrer Show „Maithink X“. © Westend61/IMAGO

DFB will Kopfbälle trotz Gesundheitsrisiko nicht verbieten

Unser Gesundheitssystem werde aktuell von einer Demenzwelle überrollt, so Nguyen-Kim. Aufgrund der strukturellen Probleme des Gesundheitssystems mussten sogar die Krankenkassenbeiträge erhöht werden. Umso mehr stelle sich die Frage, ob man nicht etwas gegen die Kopfbälle im Fußball unternehmen müsse, fragt die Wissenschaftlerin bei „Maithink X“. Die Football Association (FA) in England hat Kopfbälle für U12-Spieler sogar verboten und empfiehlt, Kopfbälle im Profifußball zu reduzieren. Der DFB schreibt auf seiner Website, er setze jedoch auf „verantwortungsvollen Umgang [...] statt auf kategorische Verbote“.

Für Mai Thi Nguyen-Kim ist es unverständlich, dass der DFB sich gegen Regeländerungen so sträubt und stattdessen nur ab 2024 die Tore und Spielfelder kleiner machen will. Sie twittert am 30. Oktober 2022 (siehe unten): „Andere Verbände haben längst reagiert, der #DFB setzt auf Ablenkung & eure Unwissenheit“. Regelmäßige Kopfbälle seien ein „ernstes Gesundheitsrisiko, besonders problematisch im Kinder- & Jugendfußball“.

Mehr zum Thema Fußball: Studie zeigt, dass Homofeindlichkeit im deutschen Profi-Fußball größer ist, als gedacht.

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