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Spatial Jitters - Das Duo Mouse on Mars bespielt den Kunstbau des Lenbachhauses

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Von: Claire Weiss

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Wie bebildert man Klang? Diese Fotocollage des Lenbachhauses gibt einen Eindruck davon, was die Besucher bei der Installation von Mouse on Mars erwartet.
Wie bebildert man Klang? Diese Fotocollage des Lenbachhauses gibt einen Eindruck davon, was die Besucher bei der Installation von Mouse on Mars erwartet. © Simone Gänsheimer

Ab 08. April öffnet der Kunstbau des Lenbachhauses seine Pforten, um eine Ausstellung der anderen Art zu zeigen. „Spatial Jitters“ von Mouse on Mars ist eine Installation, die Sound, Raum, Licht, Bewegung und Zeit verbindet.

Anfangs ist es fast eine Überwindung, die Rampe hinab in den Kunstbau des Lenbachhauses zu gehen. Der Raum ist dunkel, schemenhaft erkennt man einzelne Menschen und nur der Boden ist beleuchtet. Rechts hört man ein Klackern, ein Knistern. Von links ertönt ein tiefes Wummern, das man nicht nur über die Ohren, sondern über den kompletten Körper wahrnimmt. Allmählich wird das Wummern immer lauter, bis die Vibration fast unangenehm zu spüren ist.

Plötzlich Stille. Nur noch die Schritte der anderen Museumsbesucher, ein Knarzen des Bodens. Dann klingt ein bedrohliches Summen, wie eine Warnung. Es wird leiser, bis es kaum noch zu vernehmen ist, und doch bleibt der schwingende Ton eine Konstante.

„Spatial Jitters“ ist keine Ausstellung, sondern ein Erlebnis

Mouse on Mars ist ein Berliner Duo, das sich auf experimentelle Weise der elektronischen Musik widmet. Seit 1993 entwickeln Andi Toma und Jan St. Werner ihre Musiksprache mit unerschöpflicher Neugierde weiter. Den Kunstbau verwandelt das Duo nun in ein riesiges Raumklanginstrument. Einzelne Töne fügen sich zusammen und ergeben ein Ganzes, ohne dass eine wiedererkennbare Abfolge entsteht.

Die Besucher sollen durch die Installation zu einem aktiven Hören herausgefordert werden. Dabei hat jeder eine andere Wahrnehmung. Es geht nicht darum, einer Komposition zu lauschen, sondern (sich selbst) zu erfahren, zu spüren. Und das tut man unweigerlich.

Sound, Raum, Licht und Schatten erzeugen ein beklemmendes Gefühl

Während der rotierende Hornlautsprecher sich wie ein Bulle im Ring windet, entfährt ihm ein tiefes Dröhnen. Von Weitem hört man Gesprächsfetzen und Gelächter. Schatten huschen an den Wänden entlang. Zu wem sie gehören, ist oft schwer zu erkennen. Sie scheinen einen zu verfolgen, doch wenn man sich umdreht, ist da niemand.

Als wäre man auf einer Party gewesen und liefe nun allein durch die Nacht nach Hause. Dasselbe beklemmende Gefühl macht sich breit. Ein rötliches Licht an einer der Wände verstärkt die Unruhe und Nervosität. Hinter jeder Säule könnte ein neuer Sound lauern. Doch wenn man glaubt, man wisse, woher die Geräusche stammen, wird man getäuscht.

Von der Bühne ins Museum

Treffen Schallenwellen auf die Säulen des Kunstbaus oder die im Raum verteilten Holzpaneele, so ändert sich die Richtung der Welle. Sie wird zurück in den Raum gesendet oder schmettert punktuell gegen eine Wand. In der Installation werden die Elemente Raum, Zeit, Licht, Ton, Farbe und Bewegung verbunden.

Der Kunstbau scheint für diese Ausstellung wie gemacht. Er gibt Mouse on Mars die Gelegenheit, ihre Fantasien im Ganzen umzusetzen. Denn die musikalische Heimat von Andi Toma und Jan St. Werner ist die Bühne. In Clubs unterhält das Duo sein Publikum frontal. Die Ausstellung „Spatial Jitter“ erlaubt ihnen nun, den gesamten Raum mit einzubeziehen, Klänge in verschiedene Richtungen zu schicken und aufeinander reagieren zu lassen.

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