„Frauenfeindlich“: Buscopan Plus in Pink bekommt Preis für absurdes Gendermarketing
Das gleiche Schmerzmittel in Pink kostet 17 Prozent mehr als in Grün. Wir berichten, kurz darauf sinkt der Preis. Für den goldenen Zaunpfahl reicht es trotzdem.
Update vom 12. November 2024: Für das Medikament Buscopan Plus Pink gewinnt das Pharmaunternehmen Sanofi den Preis für das absurdeste Gendermarketing – den goldenen Zaunpfahl 2024. Dieser wird einmal jährlich vom Verein klische*esc verliehen. Die „stereotype pinke Verpackung, eine unverschämte Pinktax, hanebüchene Erklärungsversuche seitens der Firma oder problematische Werbung auf dem eigens eingerichteten Instagramkanal“ haben die Goldene-Zaunpfahl-Jury überzeugt.
Außerdem, so der Vorwurf, habe Sanofi den Preis der pinken Tabletten nur reduziert, weil es einen öffentlichen Aufschrei von Verbraucherinnen und Medien gegeben habe. Mitte Juli kündigte das Unternehmen an, den Preis der 10-er Packung Buscopan Plus Pink zu senken. Auch wir von BuzzFeed News Deutschland hatten kurz zuvor über den Fall berichtet.
Erstmeldung von 13. Juli 2024: Bei Menstruationsbeschwerden greifen Frauen häufig zu Schmerzmitteln. Eines davon ist „Buscopan Plus“, das mit dem Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid Krämpfe löst. Bisher gab es das Medikament nur in einer grünen Verpackung, seit Juni gibt es „Buscopan Plus“ auch in Pink. Der Wirkstoff ist der gleiche – der Preis nicht.
20 Tabletten Buscopan Plus in der normalen Version kosten 13,99 Euro, also 69 Cent pro Tablette. In Pink ist das Schmerzmedikament etwa 17 Prozent teuer: Für zehn Tabletten zahlen menstruierende Menschen 8,19 Euro, also 81 Cent pro Tablette. „So ein freches Beispiel für Pink Tax ist mir noch nie untergekommen“, schreibt eine junge Frau auf Instagram (siehe unten).
„Herabwürdigend“: Betreibt Buscopan Gendermarketing?
„Pink Tax“ bezeichnet den Preisaufschlag, den Frauen für quasi gleiche Produkte in pinker Barbie-Aufmachung zahlen. „Im Marketing wird das verharmlosend als ‚Genderpricing‘ benannt“, sagt Ariane Lettow BuzzFeed News Deutschland. Sie ist Geschäftsführerin des Vereins Pinkstinks Germany, der sich gegen die Diskriminierung von Frauen und Mädchen durch pinkes „Gendermarketing“ einsetzt.
Immer wieder meldeten sich Menschen mit „Frauenprodukten“, die teurer sind als die für Männer vermarkteten Pendants. „Ohne jede substanzielle Rechtfertigung des Preises“, sagt Lettow. „Wo kommt diese Selbstverständlichkeit der Unterscheidung her?
Wir können das nicht anders als frauenfeindlich interpretieren“, sagt sie. „Buscopan Plus in Pink, das deutlich teurer ist als die normale Variante, ist nicht nur ärgerlich, sondern herabwürdigend.“ Was sagt der Buscopan-Hersteller Sanofi zu diesen Vorwürfen?

Buscopan-Hersteller äußert sich: Pink ist eine „aufmerksamkeitsstarke Farbe“
„Wir möchten menstruierenden Menschen bei Regelschmerzen die bestmögliche Therapie anbieten“, teilte Sanofi auf Anfrage von BuzzFeed News Deutschland im Juli mit. Da die Kommunikation auch über die Auffindbarkeit im Apothekenregal laufe, arbeite man nun mit „aufmerksamkeitsstarken Farben wie Rot, Lila oder Pink“. Die kleine Packungsgröße erklärte das Unternehmen damit, dass Frauen mit Periodenschmerzen oder Endometriose den Wirkstoff erst ausprobieren müssten. „Sollte sich herausstellen, dass die erwartete Wirkung nicht eingetreten ist, würden nur neun anstatt sonst 19 Tabletten entsorgt“, so eine Sprecherin.
„Betreffend den Preis pro Tablette stimmt es, dass dieser bei unserer neuen Pink-Packung um zwölf Cent höher ist. Das liegt daran, dass sich der Preis der 10er-Packung im Verhältnis zur 20er-Packung nicht einfach halbieren lässt, da die Produktionskosten für beide Versionen gleich hoch sind“, sagte die Unternehmenssprecherin. „Wir können aber jetzt schon versprechen, dass Hinweise ernst genommen werden und wir an einer Lösung dafür arbeiten.“ Auch auf den grünen Packungen stehe seit Kurzem der Hinweis „Bei krampfartigen Regelschmerzen“.
Meine News
Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschland.
„Von Armut betroffene Menstruierende sind oft nicht ausreichend versorgt“
Ähnlich „schlecht“ sehe es im Übrigen bei sogenannten reinen „Frauenprodukten“ aus, erklärt Lettow. Menstruationsprodukte wie Tampons oder Binden seien sehr teuer. „Schätzungen gehen davon aus, dass menstruierende Personen im Laufe ihres Lebens zwischen 3.300 und 20.000 Euro dafür ausgeben“, sagt die Pinkstinks-Geschäftsführerin BuzzFeed News Deutschland.
„Gerade von Armut betroffene Menstruierende sind oft nicht ausreichend versorgt – weder mit Hygieneartikeln, noch mit Schmerzmitteln.“ Auch aus diesem Grund habe Pinkstinks gemeinsam mit Plan International eine Sendereihe namens „Tampon Talk“ ins Leben gerufen, in der sie erklären, warum die Gesellschaft endlich anders mit Menstruation umgehen müsse. Periodenprodukte im Badezimmer männlicher Dates wären zum Beispiel cool, findet eine junge Twitch-Streamerin.



