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Reduzierte Gaslieferungen – Mieterbund: Drosselung der Heizungstemperatur „Schnapsidee“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Die Debatte um strenge Energiesparmaßnahmen in Deutschland ist in vollem Gange. Der Vorschlag der Bundesnetzagentur, die Heiztemperatur in Wohnungen zu drosseln, stößt auf harte Kritik.

Berlin – Der russische Energieriese Gazprom hat seine Gaslieferungen nach Deutschland durch die wichtige Ostseepipeline Nord Stream 1 deutlich reduziert. Damit vor dem Hintergrund des russischen Kriegs in der Ukraine Gas möglichst in großem Umfang gespart werden kann, hatte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, unter anderem die Absenkung von Vorgaben zum Heizen vorgeschlagen. Vermieter sollten die Heizungsanlage während der Heizperiode nicht mehr auf mindestens 20 bis 22 Grad hochstellen müssen, sondern die Vorgaben könnten zeitweise sinken, so Müllers Vorschlag.

Deutscher Mieterbund gegen Drosselung der Heiztemperatur: „Schnapsidee“

Damit stößt er auf harte Kritik: Der Deutsche Mieterbund stellt sich mit klaren Worten gegen eine gesetzlich vorgeschriebene Drosselung der Heizungstemperatur für den Wohnungsbereich. Präsident Lukas Siebenkotten sagte am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, eine Drosselung treffe besonders diejenigen, die zum Beispiel aufgrund ihres Alters oder einer Erkrankung auf höhere Wohnungstemperaturen angewiesen sind, da sie sonst frieren müssten. Dies sei unzumutbar.

„Zudem wird eine solche Maßnahme dem heterogenen Gebäudebestand in keiner Weise gerecht“, so Siebenkotten. „Nach wie vor müssen diejenigen am meisten Energiekosten tragen, die in den Häusern mit dem schlechtesten energetischen Zustand wohnen, sich aber bessere Wohnungen schon wegen der zu hohen Grundmiete nicht leisten können.“

Heizung
Einer Umfrage zufolge hat jeder Zweite in Deutschland die Raumtemperatur angesichts der steigenden Energiepreise gesenkt. © Marcus Brandt/dpa

Siebenkotten sagte weiter: „Wir wissen nicht, wer die Bundesnetzagentur auf diese Schnapsidee gebracht hat. Es wirkt so, als habe das vorgesetzte Wirtschaftsministerium mal austesten lassen wollen, woher der Wind weht.“

Bundesbauministerin: „Gesetzlich verordnetes Frieren halte ich für unsinnig“

Der Vorschlag wird auch in der Regierung kontrovers diskutiert: „Gesetzlich verordnetes Frieren halte ich für unsinnig“, sagte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Sie sprach sich gegen eine Drosselung der Heiztemperatur im Wohnungsbereich aus.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) schließt als Konsequenz auf gesenkte Gaslieferungen durch Russland auch gesetzliche Maßnahmen zu Energie-Einsparungen nicht aus. „Wenn die Speichermengen nicht zunehmen, dann werden wir weitere Maßnahmen zur Einsparung, zur Not auch gesetzlich, vornehmen müssen“, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag in den ARD-Tagesthemen. Ob dies konkret auch die Heiztemperaturen im Wohnbereich treffen würde, darauf legte er sich allerdings nicht fest. (lma/dpa)

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