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Ukraine-News: Verbraucher in Russland zerren VW, H&M und Co. vor Gericht – es geht um viel Geld

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Von: Lisa Mayerhofer

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Ein geschlossener H&M-Laden in Moskau, Russland: Ein russischer Anwalt hat eine Klage gegen die Modekette eingereicht.
Ein geschlossener H&M-Laden in Moskau, Russland: Ein russischer Anwalt hat eine Klage gegen die Modekette eingereicht. © Artyom Geodakyan/Imago

Nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine haben sich viele westliche Unternehmen aus Russland zurückgezogen. Nun droht ihnen wohl eine Klagewelle.

Moskau – Siemens, BMW, Prada, VW, Ikea, McDonald‘s, Adidas, H&M – die Liste der westlichen Unternehmen, die ihr Russland-Geschäft im Zuge des Ukraine-Krieges eingestellt haben, ist lang. Der Kreml reagierte darauf mit unverhohlenen Enteignungs-Drohungen. Aber auch russische Verbraucher zeigten sich verärgert.

Ukraine-News: Klage gegen H&M – wegen „Diskriminierung aller Bürger der Russischen Föderation“

Laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass hat der Anwalt Dmitrij Katschan eine Schadensersatz-Klage gegen die schwedische Modekette H&M eingereicht. Demzufolge fordert er rund 700.000 Rubel (etwa 11.500 Euro) für erlittene „emotionale Schäden“ durch die Schweden.

Der Grund: In der Schließung aller H&M-Filialen in Russland sieht der Anwalt eine „Diskriminierung aller Bürger der Russischen Föderation“. Kleidung sei lebensnotwendige Ware – und diese dürfe niemandem vorenthalten werden. Tatsächlich habe ein Gericht im Osten Russlands den Fall angenommen und für den 29. Juni eine Verhandlung angesetzt, berichtet der Spiegel. H&M selbst hat sich zu dem Vorgang noch nicht geäußert.

VW, Mercedes & Co: Klagen in Russland gegen internationale Autobauer

Darüber hinaus scheinen es russische Kläger laut dem Spiegel vor allem auf westliche Autokonzerne abgesehen zu haben, die nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs ihre Exporte nach Russland gestoppt haben. So habe laut dem Magazin eine Organisation namens „Vereinigte Verbraucher Initiative“ (OPI) angekündigt, juristisch gegen Volkswagen, Mercedes, Toyota und andere Autobauer vorzugehen.

Die Unternehmen hätten „ungesetzlich die Lieferungen ihrer Autos, Ersatzteile und Komponenten eingestellt“, zitiert der Spiegel aus der Beschwerde. Dies würde die Rechte russischer Verbraucher verletzen. Dabei geht es auch um Ersatzteile – denn nach russischem Recht müssen die Autohersteller innerhalb bestimmter Garantiefristen ihren Kunden Ersatzteile liefern.

Wenn die Hersteller dieser Verpflichtung nicht nachkommen – was ihnen auch wegen der Sanktionen oft nicht möglich ist – können die Kunden klagen und nicht nur den kompletten Kaufpreis, sondern auch Schadensersatz erstreiten.

Ukraine-News: VW sieht Drohungen gelassen

Es geht also um viel Geld. Denn: Im vergangenen Jahr hat der VW-Konzern mehr als 200.000 Fahrzeuge in Russland verkauft, BMW 49.000. Allerdings gaben sich die Hersteller gegenüber dem Spiegel entspannt: Sie gehen davon aus, dass ihre Kunden in Russland ihre Autos lieber behalten, statt sie zurückzugeben – Neuwagen sind seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs kaum noch erhältlich.

Die Autobranche in Russland durchlebt eine schwere Krise. Praktisch alle Hersteller mussten ihre Fertigung wegen Teilemangels einstellen. Selbst der heimische Autobauer Avtovaz ließ monatelang die Produktion ruhen. Nach einer Wiederinbetriebnahme der Fließbänder am Mittwoch musste das Unternehmen schon am Donnerstag erneut eine Unterbrechung für mindestens eine Woche ankündigen. Der Absatz von Neuwagen ist in Russland seit dem Beginn des Krieges um über 80 Prozent eingebrochen. (lma/AFP/dpa)

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