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Ukraine-News: Ökonomen sehen dramatischen Einbruch der russischen Wirtschaft

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Seit Beginn des Ukraine-Kriegs gibt Russland keine Daten zur Wirtschaftslage heraus. Neue Analysen zeigen: Bis Ende 2022 könnte ein massiver Einbruch drohen.

München – Die Diskussion um die Frage, ob und welche Waffen Deutschland in die Ukraine liefern soll, hat einen Aspekt völlig überlagert: Wie wirkungsvoll ist eigentlich die Waffe, die bereits im Einsatz ist? Wirtschaftssanktionen heißen im Französischen nicht von ungefähr „Mort Civile“ – der bürgerliche Tod. Sie sollen die russische Wirtschaft treffen.

Das Problem: Seit Beginn des Ukraine-Konflikts Ende Februar veröffentlicht Moskau keine Daten mehr zur Wirtschaftslage in Russland. Dennoch gibt es einen Indikator, den man nicht verbergen kann: die Importe. Denn wie viel Waren und Güter nach Russland geliefert werden, erhebt Russland nicht exklusiv.

Ukraine-News: Ökonomen-Prognose - Russlands BIP wird bis Ende des Jahres um 30 Prozent sinken

Auf Twitter veröffentlichte Robin Brooks, Chefökonom des Internationalen Bankenverbandes, am Sonntag (22. Mai) aktuelle Daten, die er mit dem Forscher Jonathan Pingle analysiert hat. Business Insider berichtete darüber als Erstes. Seine Prognose: Bis Ende 2022 wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Russland um 30 Prozent sinken. Zum Vergleich: In Deutschland sorgte schon eine Halbierung der Wachstumsprognose für lange Gesichter in der Wirtschaft. Nicht auszumalen, was ein Minus vor der Zahl, geschweige denn eine 30, hierzulande auslösen würde.

Die Studienergebnisse basieren auf Daten zu den Exporten von 20 der wichtigsten Handelspartner Russlands. Nach Angaben des Observatory of Economic Complexity pflegen China und Deutschland die besten Wirtschaftsbeziehungen zum Land von Präsident Wladimir Putin.

Russischer Rubel bricht ein

Eine miserable wirtschaftliche Lage auf der einen Seiten und eine starke Währung auf der anderen Seite? Das passt nicht zusammen. Denn in der Theorie gibt die Stärke einer Währung die Lage der Volkswirtschaft wieder. Doch für das Paradoxon gibt es eine einfache Erklärung: Die russische Regierung setzt momentan alles daran, das Geldangebot zu verknappen. So wurden zum Beispiel Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die es Bürgern und Unternehmen erschweren, ihre Anleihen oder Aktien zu verkaufen. So wird der Rubelkurs stabilisiert.

Außerdem tragen Energieexporte weiterhin erheblich zur wirtschaftlichen Stabilität Russlands bei. Russland verlangt von „unfreundlich“ gesinnten, überwiegend westlichen Ländern ein Zweikontenmodell, anhand dessen die Devisenzahlungen umgehend in Rubel getauscht werden können. Die Methode kurbelt die Rubel-Nachfrage an und stützt so den Wechselkurs.

Ukraine-News: Exporte nach Russland sinken massiv - Vorprodukte fehlen

Dass die Importe sinken, dürfte nicht überraschen - immerhin hat es Russland nicht selbst in der Hand, welche Länder ihre Waren dorthin liefern. „Bei den Importen sieht man einen sehr deutlichen Rückgang durch die Sanktionen. Seit Februar sind sie um knapp 50 Prozent gefallen“, sagt Martin Eichler, Chefökonom des Konjunkturforschungsunternehmens BAK Economics dem SRF. Inwiefern die eigene Wirtschaft davon getroffen wird, ist schwierig zu sagen. Klar ist: Die russische Wirtschaft ist nicht in der Lage, autonom zu produzieren. Man ist auf ausländische Vorprodukte angewiesen, damit die Produktionsketten funktionieren.

Russische Rubel-Banknoten liegen auf einem Tisch.
Trotz eines starken Rubels steht die russische Wirtschaft vor dem Niedergang, sagen Ökonomen. © Sven Hoppe/dpa

„Die neuen Exportverbote westlicher Länder und die Lieferbeschränkungen vieler Unternehmen dürften somit speziell die russische Industrie empfindlich treffen“, heißt es in dem am Montag (25. Mai) veröffentlichten Monatsbericht der Bundesbank. Russische Exporteure müssten sich nach neuen Absatzmärkten und Logistikmöglichkeiten umschauen. „Insgesamt drohen der russischen Industrie infolge der weitgehenden internationalen Isolation hohe Effizienzverluste und technologischer Rückschritt.“

Bundesbank: Russland steuert darauf zu, „einen beachtlichen Teil seines Wohlstands zu verlieren“

Die Bundesbank prognostiziert eine düstere Zukunft für die russische Wirtschaft. Nicht nur kurzfristig seien größere Einbußen zu erwarten, auch längerfristig müsse man mit massiven Schäden rechnen. Bestehende strukturelle Probleme dürften sich nochmals erheblich verschärfen: „Insgesamt steuert Russland darauf zu, einen beachtlichen Teil seines Wohlstands auf Dauer zu verlieren.“

Die Regierung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hatte sich mehrmals für härtere Sanktionen eingesetzt. Eine der Forderungen lautet: Die Länder der Europäischen Union sollten auf russisches Gas und Öl - eine der Haupteinnahmequellen Moskaus - verzichten.

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