Wie der Leo-Print sein Comeback als „Mob Wife“-Look feiert

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Von: Giorgia Grimaldi

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Mal lieben wir, mal hassen wir die unverwechselbaren Flecken. Aktuell liegen sie im Trend. Das hat Konsequenzen und nicht alle davon sind schlecht.

Bauchfreie Oberteile, Schlaghosen und selbst „teeth gems“ (Strasssteine als Zahnschmuck) – viele Outfits, die lange als Modesünden der Nullerjahre galten, sind zurück. Auch der Animalprint, allen voran das Leopardenmuster. Klar, die Modeindustrie arbeitet zyklisch und greift oft auf Vergangenes zurück, um es neu zu interpretieren. Influencer:innen der Gen Z bringen Looks der 2000er zurück. Doch hinter dem „Comeback“ des Leo-Looks scheint mehr zustecken.

Frau in Kleid mit Leoparden-Optik, Frau in Pelzmantel
Mob Wife Look / Mafia Chic © tiktok @sarah.altintas/Symboldbild Kleiderschrank: IMAGO/YAY IMAGES. Bearbeitung: BuzzFeed DE

Kunsthistorikerin erklärt die Faszination für Leopardenflecken

Die Kunsthistorikerin Caroline Good Markides befasste sich im Rahmen ihrer Forschung an der Oxford University wissenschaftlich mit dem Modephänomen und kam zu dem Ergebnis: Die Vorliebe, sich mit Leopardenflecken zu kleiden, ist kein kurzlebiger Trend, sondern eine langanhaltende Faszination.

Schon in der Hochkultur der Alten Ägypter trugen Menschen Leopardenpelze, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa kamen. Seitdem sind die Flecken – allerdings gedruckt – sowohl auf günstigen Klamotten aus der Fast Fashion – für die sich laut unserer Autorin auch die Gen Z begeistert – als auch auf Designerstücken der Haute Couture zu sehen.

Tafel mit Abbildunger einer ägyptischen Prinzessin mit Leopardenfell. Foto von Jacqueline Kennedy 1962 in Rom mit Mantel mit Leoprint
Ägyptische Prinzessin Nefertiabet und Jacqueline Kennedy mit Leoprint ©  United Archives International/IMAGO. Bearbeitung:BuzzFeed DE

Im Interview mit Deutschlandfunk Kultur erklärt Markides den Erfolg des Leo-Prints so: „Obwohl es ein besonderes Muster ist, bietet es eine große Projektionsfläche. Jeder projiziert das hinein, was er will“. So könne das Muster unterschiedliche Identitäten haben, von Punk zu Eleganz oder Sexappeal. Dabei verweist sie auf Outfits von Musiker Kurt Cobain, Schauspielerin Audrey Hepburn oder Reality-TV-Star Kim Kardashian.

Links: Kim Kardashian im Leopardenanzug, rechts: Audrey Hepburn im Film „Charade“ mit Leopardenmütze
Kim Kardashian und Audrey Hepburn im Leo-Look © Instagram @Kim Kardashian/Stanley Donen Production. Bearbeitung: BuzzFeed DE

Kunsthistorikerin fordert Copyright-Gebühr für Leo-Print

Modeexpert:innen raten zu Schwarz und Beige, Seide und Satin, um mit dem Wildkatzenmuster ein edles Outfit zu kreieren. Kombiniert mit grellen Farben wie Pink oder Materialien wie Kunstleder wirkten sie dagegen „mutig“. Den Look, der durch niedrige Preise für die breite Masse erschwinglich wurde, haben viele gesehen – oder getragen. Die Flecken bekamen eine zweite Lesart: „trashy“.

Das Muster ist überall und das hat laut der Kunsthistorikerin Konsequenzen für den Leoparden. Die starke Verbreitung habe dazu geführt, dass es kein Bewusstsein mehr dafür gebe, wie bedroht die Tiere seien, „denn durch die Mode sind sie sozusagen überall“, sagt Markides.

Sie plädiert dafür, eine Copyright-Gebühr einzuführen und die Popularität des Musters zu nutzen, um die bedrohten Tiere zu retten. Ihr Vorschlag: Eine Abgabe in Höhe von einem Prozent des Kaufpreises soll in Projekte fließen, die dem Artenschutz der Wildkatzen dienen.

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Peta unterstützt Vorschlag unter einer Bedingung

Ein Sprecher der Tierrechtsorganisation Peta befürwortet den Vorschlag als gute Möglichkeit, Artenschutzbestimmungen zu unterstützen. „Wichtig bei der Ausgestaltung ist, dass das Konzept nur auf pflanzliche Materialien angewendet werden darf. Derzeit werden leider auch Kaninchenfelle und Häute von anderen Tieren mit Leopardenfell-Optik bedruckt. Aus Tierrechtssicht wäre es nicht akzeptabel, wenn tierisches Leder und Fell für den Artenschutz vermarktet würde“, sagt er BuzzFeed News Deutschland, einem Portal von Ippen.Media.

Und tatsächlich, wer sich auf Social-Media-Kanälen wie TikTok und Instagram umsieht, entdeckt bei den User:innen viel Leopardenmuster und Fell. Die virale Renaissance des Animalprints trendet unter „#mobwifelook“ oder „#mafiachic“.

Warum wir den Mafiabraut-Look lieben

Während neben Schwarz vor allem Beige und Creme (auch bekannt als „Vanilla Girl Aesthetic“) im Trend lagen, gilt jetzt: je protziger, desto besser. Smokey Eyes, Goldschmuck und Pelze sind angesagt. Ob es sich dabei um echte Tierfelle handelt, ist nicht immer klar.

Der Look soll sich am Stil italienisch-amerikanischer Frauen – Ehefrauen der Mafiosi – im New Jersey und New York der 90er Jahre orientieren. Unter vielen Videos, in denen TikToker:innen ihre Interpretation des Looks teilen, stehen Sätze wie „clean girl is out“ oder „anyway, I was never a clean girl“ – eine Art Antithese und Befreiungsschlag zum Dreiklang (Beige, Schwarz, Creme) der letzten Jahre. Wieder dick auftragen zu können, scheint demnach eher dem Naturell vieler User:innen zu entsprechen.

Zum Erfolg des Looks und dem erneuten Aufstieg der Leopardenflecken hat vielleicht auch die neue Netflix-Serie „Griselda“ beigetragen. Sie basiert auf dem wahren Aufstieg und Fall der Griselda Blanco. Einer skrupellosen kolumbianischen Mafiosa der 70er Jahre, die Männerknie zum Schlottern brachte. Hauptdarstellerin ist Sofía Vergara, die in der Rolle als stereotypische Latina „Gloria“ in der Serie „Modern Family“ internationale Berühmtheit erlangte.

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