Mutter bekommt mit 58 die Diagnose Alzheimer – jetzt trainiert Tochter mit ihr, damit sie beweglich bleibt

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Regelmäßige Bewegung hilft, trotz Alzheimer fit zu bleiben. (Symbolbild)
Regelmäßige Bewegung hilft, trotz Alzheimer fit zu bleiben. (Symbolbild) © Christin Klose/dpa

Mit 58 bekam die Mutter die Alzheimer-Diagnose. Dann half ein Shania-Twain-Konzert: Wie Tanzen Freude schenkt und welche vier einfachen Übungen helfen.

Als mein Freund und ich uns im Januar verlobten, war das ein unglaublich romantischer Moment: Während einer Safari im südafrikanischen Kruger-Nationalpark überraschte mich Wes mit einem Ring. Die eine Person, der ich unbedingt davon erzählen wollte, war meine Mutter Debbie, die zu Hause in Hereford war. Doch als ich sie per FaceTime anrief, teilte sie meine überschwängliche Freude nicht. Offensichtlich kam nichts davon bei ihr an; selbst als ich meinen neuen Diamantring vorzeigte, blieb sie ungerührt. Das war niederschmetternd, kam aber nicht völlig unerwartet.

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Dieser Artikel von Talilla Henchoz entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk

Wir alle haben eine Vorstellung davon, wie die großen Meilensteine unseres Lebens aussehen werden. Doch seit bei meiner Mutter vor fast sechs Jahren, im Alter von 58 Jahren, eine früh beginnende Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert wurde, musste ich meine Erwartungen anpassen. Selbst die glücklichsten Momente sind inzwischen von Traurigkeit überschattet, weil meine Mutter nicht so daran teilhaben kann, wie ich es mir erhofft hätte. Ihr Sprachvermögen und ihr Gedächtnis haben in den vergangenen Jahren stark nachgelassen. Trotzdem erlebt sie im Alltag noch viel Freude. Es dauerte nur eine Weile, bis wir herausfanden, wie wir das Lachen zurückbringen konnten – mit ein wenig Hilfe von Shania Twain.

Meine Mutter war immer eine beeindruckende Persönlichkeit voller Energie. Meine Eltern trennten sich, als ich 16 war, aber während ihrer gemeinsamen Zeit hatten wir zu viert unglaubliche Abenteuer erlebt. Als ich sieben und mein Bruder Mitchell fünf war, nahmen uns unsere Eltern aus der Schule, um zwei Jahre lang mit uns um die Welt zu reisen. Wir besuchten 16 Länder, wanderten im Himalaja und veranstalteten unsere eigenen Sportfeste an tropischen Stränden. Meine Mutter war noch nie jemand, der gern stillsaß.

Erste Symptome und eine Fehldiagnose

Die ersten Anzeichen ihrer Erkrankung zeigten sich, als sie etwa 50 war. Damals hatten wir allerdings keine Ahnung, was dahintersteckte. Sie wurde ängstlich und verschlossen und zog sich nach heftigen Auseinandersetzungen mit Verwandten, denen sie zuvor sehr nahegestanden hatte, von ihrer Familie zurück. Weil sie spürte, dass mit diesen Stimmungsschwankungen etwas nicht stimmte, ging sie zu ihrem Hausarzt. Dort machte man die Wechseljahre dafür verantwortlich und schickte sie mit Antidepressiva und angstlösenden Medikamenten wieder nach Hause.

Erst Jahre später, 2019, vermutete eine Psychologin, bei der sie in Behandlung war, dass mehr als eine Depression dahintersteckte. Sie überwies meine Mutter an einen Neurologen. Er veranlasste endlich Blutuntersuchungen, Tests ihrer geistigen Fähigkeiten und bildgebende Untersuchungen, die im Dezember 2020 zur offiziellen Diagnose einer früh beginnenden Alzheimer-Erkrankung führten. Keiner von uns konnte glauben, was wir da hörten. Nicht nur ihr Alter machte diese Nachricht zu einem solchen Schock: In unserer Familie hatte es zuvor keine Alzheimer-Erkrankung gegeben.

Außerdem hatte meine Mutter als Jugendliche und in ihren Zwanzigern Großbritannien sowohl im Turnen als auch im Bodybuilding vertreten und war immer ausgesprochen sportlich gewesen. Tatsächlich hatte sie ihr Leben lang alles richtig gemacht: sich gut ernährt, Sport getrieben, Krafttraining gemacht – alles, was man tun sollte, um lange und gesund zu leben. Wir waren fassungslos. Ich fand den Gedanken frustrierend, dass andere rauchen, keinen Sport treiben und sich von Junkfood ernähren und trotzdem 100 werden können, während meine Mutter alles richtig gemacht hatte und nun Mühe hat, sich selbst Essen zuzubereiten oder auch nur daran zu denken, Wasser zu trinken.

Der Verlust der Selbstständigkeit und ein Wendepunkt

In den ersten Jahren nach der Diagnose verstand meine Mutter noch viel mehr als heute. Sie wusste genau, was die Diagnose bedeutete, und war am Boden zerstört, als ihr der Führerschein entzogen wurde und sie ihre Selbstständigkeit verlor. Sie zog sich noch weiter zurück und verbrachte viel mehr Zeit zu Hause. Ehrlich gesagt hielten Mitchell und ich das wahrscheinlich für gut, weil es so wenige Ratschläge zur Betreuung jüngerer Menschen mit Alzheimer gab. Wir mussten sie aus ihrem Traumhaus auf dem Land in eine nahe gelegene Stadt umziehen lassen, damit sie sicherer war. Denn wir wussten nicht, was mit dem Fortschreiten ihrer Erkrankung auf uns zukommen würde.

Mit der Zeit nahm meine Mutter durch all die Medikamente zu, und ihre Stimmungstiefs schienen schlimmer denn je. Dann sah ich eines Tages im Jahr 2023, dass ihre Lieblingssängerin Shania Twain ein Konzert in London geben würde. Inzwischen fühlte sich meine Mutter in Menschenmengen schnell überfordert und wurde nervös. Trotzdem beschloss ich, das Risiko einzugehen. Und ich bin so froh darüber. Sie war wie verwandelt, strahlte vor Glück, tanzte und sang jedes Wort mit. Noch heute erinnert sie sich an das Konzert und spricht darüber, obwohl sie so vieles andere vergessen hat.

Warum Bewegung für meine Mutter so wichtig ist

Als ich sah, wie sie an diesem Tag wieder aus sich herauskam, wurde mir klar, wie sehr sie körperliche Aktivität brauchte. Bewegung war so lange ein wichtiger Teil ihres Lebens gewesen, und offensichtlich fehlte sie ihr schrecklich. Ich fing an, mit ihr durchs Haus zu tanzen und anschließend einige Kraftübungen zu machen. Ich hoffe, dass sie dadurch möglichst lange beweglich und körperlich selbstständig bleibt. Oft lässt sie sich ablenken und beginnt zu tanzen, statt Seitheben zu machen, oder hält mitten in einem Ausfallschritt inne, um mich zu küssen. Aber das ist völlig in Ordnung. Am glücklichsten ist sie, wenn wir gemeinsam aktiv sind. In diesen Momenten fühlt es sich an, als hätte ich meine Mutter zurück – und mehr wünsche ich mir jetzt nicht für sie.

Meine Mutter ist inzwischen 64, und ihre Demenz ist fortgeschritten, sodass ihr das Sprechen schwerfällt. Es fühlt sich an, als wäre sie wieder zum Kind geworden. Sie ist nur noch ein paar Stunden am Tag allein; dreimal täglich kommen Pflegekräfte. Eine Rundumbetreuung ist allerdings teuer. Deshalb haben wir angefangen, darüber zu sprechen, ob sie zu ihrer Schwester ziehen sollte. Für uns alle ist das schwer, besonders aber für meine Großmutter: Sie muss mit 86 miterleben, wie ihre Tochter all das durchmacht, während sie selbst geistig noch vollkommen fit ist. Uns wurde gesagt, dass die Demenz meiner Mutter nicht erblich bedingt ist. Das erleichtert Mitchell und mich, aber wir tun trotzdem alles, was wir können, um gesund zu bleiben.

Vier einfache Übungen für Menschen mit Alzheimer

Meine Mutter war schon immer mein Vorbild. Sie hat meine Begeisterung für Fitness geweckt und ist der Grund dafür, dass ich Personal Trainerin geworden bin. Auch heute inspiriert sie mich noch: Sie zeigt mir, wie wichtig es ist, das Leben voll auszukosten, weil niemand von uns weiß, was die Zukunft bringt.

Bewegung kann Menschen mit Alzheimer helfen, ihre Kraft, ihr Gleichgewicht und ihre Beweglichkeit zu erhalten. Das erleichtert alltägliche Aufgaben. Diese vier Bewegungsübungen mache ich mit meiner Mutter. Dabei passe ich sie daran an, wie sie sich an dem jeweiligen Tag fühlt und wozu sie in der Lage ist.

Erste Übung: Kniebeugen

Kniebeugen stärken die Oberschenkel, die Gesäßmuskulatur und den Rumpf. Das hilft bei alltäglichen Bewegungen, etwa beim Aufstehen von einem Stuhl, beim Toilettengang oder beim Einsteigen ins Auto. So geht es: Stellen Sie sich hüftbreit hin, mit einem stabilen Stuhl hinter sich. Schieben Sie die Hüfte nach hinten und beugen Sie die Knie, als wollten Sie sich hinsetzen. Senken Sie sich langsam ab, bis Sie den Stuhl berühren. Drücken Sie sich dann über die Füße wieder in den Stand. Beginnen Sie mit fünf Wiederholungen und machen Sie nach Bedarf Pausen.

Für Menschen mit Alzheimer: Machen Sie die Bewegung zunächst vor und verwenden Sie einfache Anweisungen wie „Hinsetzen, dann aufstehen“. Falls nötig, kann sich die Person an den Armlehnen des Stuhls abstützen.

Zweite Übung: Dynamisches Knieheben

Diese sanften Bewegungen trainieren die Hüftbeuger, die Oberschenkel und den Rumpf. Gleichzeitig helfen sie, Gleichgewicht und Koordination zu erhalten – beides ist wichtig, um sicher zu gehen. So geht es: Stellen Sie sich hinter einen stabilen Stuhl oder neben eine Küchenarbeitsplatte und halten Sie sich daran fest. Heben Sie langsam ein Knie in Richtung Taille, so hoch, wie es sich angenehm anfühlt. Setzen Sie den Fuß anschließend kontrolliert wieder auf dem Boden ab. Wiederholen Sie die Bewegung mit dem anderen Bein und wechseln Sie in einem angenehmen Tempo weiter die Seiten.

Für Menschen mit Alzheimer: Wenn das Stehen schwerfällt, versuchen Sie es mit Marschieren im Sitzen. Meiner Erfahrung nach macht Musik die Bewegung angenehmer. Außerdem ist es oft leichter, dem Vormachen jedes einzelnen Kniehebens zu folgen als mündlichen Anweisungen.

Dritte Übung: Ausfallschritte

Ausfallschritte stärken die Beine und die Gesäßmuskulatur. Sie helfen, die Muskelkraft zu erhalten, die zum Gehen, Stehen und Treppensteigen nötig ist. Außerdem fordern sie Gleichgewicht und Koordination. So geht es: Stellen Sie sich neben eine stabile Arbeitsplatte und halten Sie sich daran fest. Machen Sie mit einem Fuß einen kleinen Schritt nach vorn. Beugen Sie beide Knie leicht und halten Sie den Oberkörper aufrecht. Drücken Sie sich dann über den vorderen Fuß zurück in den Stand. Wiederholen Sie die Bewegung auf der anderen Seite.

Für Menschen mit Alzheimer: Diese Übung ist anspruchsvoller. Versuchen Sie sie deshalb nur, wenn Gleichgewicht und Fähigkeiten der Person es zulassen. Stellen Sie anfangs einen Fuß leicht vor den anderen und beugen und strecken Sie die Knie behutsam, ohne einen vollständigen Ausfallschritt zu machen. Führen Sie jede Bewegung vor und geben Sie immer nur eine Anweisung auf einmal.

Vierte Übung: Seitwärtsschritte

Seitwärtsschritte stärken die Hüfte, die äußere Gesäßmuskulatur und die Oberschenkel. Gleichzeitig verbessern sie das seitliche Gleichgewicht, das nötig ist, um sich sicher um Möbel herumzubewegen und die Richtung zu wechseln. So geht es: Stellen Sie sich mit hüftbreit auseinanderstehenden Füßen und leicht gebeugten Knien neben eine stabile Küchenarbeitsplatte und halten Sie sich daran fest. Machen Sie einen kleinen Schritt nach rechts. Ziehen Sie dann den linken Fuß zum rechten heran, ohne die Füße zu überkreuzen. Machen Sie fünf bis zehn Schritte und wiederholen Sie das Ganze anschließend in die andere Richtung.

Für Menschen mit Alzheimer: Verwenden Sie einfache Aufforderungen wie „Einen Schritt zur Seite“ und „Die Füße zusammenbringen“. Wenn das Stehen schwerfällt, üben Sie stattdessen im Sitzen, die Füße von einer Seite zur anderen zu bewegen.

Freude an der Bewegung ist wichtiger als Perfektion

Das Wichtigste, was ich mit meiner Mutter gelernt habe: Bewegung muss nicht perfekt sein, um etwas zu bewirken. An manchen Tagen lässt sie sich mitten in einer Übung ablenken und fängt stattdessen an zu tanzen. Das ist völlig in Ordnung. Dass sie in Bewegung bleibt, bei der Sache und glücklich ist, zählt viel mehr, als jede Wiederholung zu schaffen.

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